Die chemische Materialforschung bildet eine zentrale Grundlage für zahlreiche technologische Entwicklungen in Bereichen wie Energie, Umwelt und Gesundheit. Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg nimmt dabei seit einem Jahrhundert eine wichtige Rolle ein und begeht am 1. April 2026 sein 100-jähriges Bestehen der Silicatforschung am Standort.

Aus Anlass dieses Jubiläums öffnet das Institut am Nachmittag seine Türen für die Öffentlichkeit und gibt Einblick in aktuelle Forschungs- und Technologiefelder. Zwischen 14:00 und 17:00 Uhr präsentiert das Fraunhofer ISC im Foyer seines Hauptgebäudes am Neunerplatz eine Ausstellung zu Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Robotik in der Materialforschung sowie zu Batterietechnologien, nachhaltigen Materialien und Anwendungen für NewSpace, Gesundheit und Biomedizin.
Ein Jahrhundert Silicatforschung am Standort Würzburg
Die Silicatforschung am heutigen Fraunhofer ISC reicht bis in das Jahr 1926 zurück, als das Institut als Kaiser-Wilhelm-Institut für Silikatforschung gegründet wurde. Zu den frühen Forschungsschwerpunkten zählten insbesondere Glas, Keramik und Baustoffe, die über viele Jahre zentrale Themen der wissenschaftlichen Arbeit bildeten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Einrichtung als Max-Planck-Institut für Silikatforschung neu aufgebaut. Mit der zunehmenden Ausrichtung auf industrienahe Forschung erfolgte 1971 die Eingliederung in die Fraunhofer-Gesellschaft. Seither trägt das Institut den Namen Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC, wobei die Silicatforschung im Namen bewusst mit „c“ geschrieben wird.
Das 100-jährige Bestehen nimmt das Institut zum Anlass, seine Forschung auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Am Nachmittag des Jubiläumstags öffnet das Fraunhofer ISC seine Türen und lädt die Würzburger Bürgerinnen und Bürger ein, einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der Materialforschung zu erhalten.
„Materialforschung verbindet Wissenschaft, Innovation und gesellschaftliche Relevanz auf einzigartige Weise. Dass wir seit 100 Jahren in Würzburg dazu beitragen dürfen, ist ein besonderer Anlass zur Freude und ein Auftrag für die nächsten Jahrzehnte“, sagt Prof. Miriam Unterlass, Institutsleiterin des Fraunhofer ISC.
Silicatforschung für nachhaltige Materialien und Technologien
Heute konzentriert sich das Fraunhofer ISC auf chemische Materialforschung und die Entwicklung nachhaltiger Materialien sowie entsprechender Herstell- und Verarbeitungsprozesse. Rund 380 Mitarbeitende arbeiten am Institut an innovativen Materialien und Technologien für Anwendungen in Energie, Umwelt und Gesundheit.
Zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten gehören Batteriematerialien und Batterierecycling, Hochtemperaturwerkstoffe sowie biobasierte und bioabbaubare Materialien. Darüber hinaus entwickelt das Institut PFAS-freie Lösungen für Verpackungen und Textilveredelung, Werkstoffe für die Wasserstoffwirtschaft, Sensortechnologien sowie Materialien und Verfahren für Biomedizin, Pharma und Kosmetik.
Neben klassischen Funktions- und Strukturwerkstoffen wie Glas und Keramik stehen heute auch anorganisch-organische Hybridpolymere auf Silicium-Basis (ORMOCER®) sowie aktive und adaptive Materialien im Zentrum der Forschungsaktivitäten. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Herstellung und Verarbeitung der Materialien unter produktionsnahen Bedingungen im Institut.
Forschungsinfrastruktur und Kooperationen
Das Fraunhofer ISC verfügt über mehrere Standorte und Forschungseinrichtungen. Neben dem Stammhaus und dem Translationszentrum für Regenerative Therapien in Würzburg gehört auch das Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau HTL in Bayreuth zur Forschungsinfrastruktur des Instituts.
Zum Institut zählen außerdem das Fraunhofer FuE-Zentrum Elektromobilität Bayern, das Center Smart Materials and Adaptive Systems sowie das Anwendungszentrum „Textile Faserkeramik“ an der Hochschule Hof-Münchberg. Innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft sowie in zahlreichen nationalen und internationalen Projekten arbeitet das Fraunhofer ISC eng mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen.
Neben Auftragsforschung und -entwicklung bietet das Institut Analytik und Charakterisierung, Prozessoptimierung sowie Unterstützung bei der Hochskalierung von Herstell- und Verarbeitungsverfahren bis in den Pilotmaßstab. Darüber hinaus entwickelt das Fraunhofer ISC Recyclingtechnologien und Strategien zur Sicherung wertvoller Ressourcen und unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte sowie bei der Qualitäts- und Zukunftssicherung.


