Das Interuniversitäre Forschungsinstitut für Agrarbiotechnologie IFA-Tulln hat beim ersten Kooperationssymposium der drei Gründeruniversitäten Bilanz gezogen und die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt. Seit seiner Gründung im September 1994 verbindet das Institut die BOKU, die TU Wien und die Veterinärmedizinische Universität Wien an einem gemeinsamen Standort in Tulln – ein Modell, das zum Zeitpunkt seiner Entstehung als ungewöhnliches Experiment galt.

Das Symposium stand unter dem Motto „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Erfolgsstory“ und fand im TUtheSky-Saal der TU Wien statt. Es versammelte über 70 Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie die Leitungsebenen der drei Partneruniversitäten. Neben Eva Schulev-Steindl (Rektorin, BOKU) und Vizerektorin Nora Sikora-Wentenschuh (BOKU) nahmen Rektor Matthias Gauly und Vizerektorin Martina Marchetti-Deschmann (Veterinärmedizinische Universität Wien) sowie Vizerektor Peter Ertl (TU Wien) als Gastgeber teil.
Drittmittel, Publikationen und wirtschaftliche Impulse aus dem Campus Tulln
Die interuniversitäre Agrarbiotechnologie-Forschung des IFA-Tulln lässt sich anhand konkreter Kennzahlen beschreiben. Rund 200 interuniversitäre SCI-Publikationen dokumentieren die wissenschaftliche Aktivität des Instituts, darunter Beiträge zur Lebensmittelsicherheit, die international zu den Top 0,001 Prozent gezählt werden. In den vergangenen fünf Jahren wurden – einschließlich COMET-Zentren – rund 40 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben, gestützt auf mehr als 50 gemeinsam umgesetzte nationale Projekte.
Wirtschaftlich fungiert das IFA-Tulln als Motor für den Wissenschaftsstandort Tulln: Über 1.200 Arbeitsplätze im Forschungs- und Universitätsbereich sind mit dem Campus verbunden, und aus dem Institut sind erfolgreiche Spin-offs hervorgegangen, allen voran das Unternehmen Agrobiogel. Die Forschungsthemen reichen von molekularer Diagnostik und Biotoxinforschung bis zur Kreislaufwirtschaft in der Lebensmittel- und Textilproduktion. Etablierte Kompetenzzentren wie das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB), Bioenergy 2020 und das Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety & Innovation (FFoQSI) sind aus der Arbeit des Instituts hervorgegangen; hinzu kommen fünf bewilligte Christian-Doppler-Labors.
IFA 2030+: Ausweitung auf Agrartechnologie und neue Forschungsagenda
Die strukturelle Einbindung des IFA-Tulln in das neu gegründete BOKU-Department für Agrarwissenschaften, die 2025 vollzogen wurde, markiert den Ausgangspunkt für die nächste Entwicklungsphase. Ziel ist es, das Institut nicht nur als Interuniversitäre Forschungsplattform für Agrarbiotechnologie zu erhalten, sondern auch auf den Bereich der Agrartechnologie auszuweiten – und damit die Brückenfunktion zwischen den drei Gründeruniversitäten sowie zu Industrie- und Forschungspartnern wie Biomin/DSM weiter zu festigen.
BOKU-Rektorin Eva Schulev-Steindl umriss die Erwartung an diesen Prozess: „Wir wollen sicherstellen, dass man auch in 30 Jahren sagen wird: Die Entscheidung, die interuniversitäre Forschungsplattform für Agrarbiotechnologie IFA-Tulln weiterzuführen, war eine hervorragende.“ Die künftige Forschungsagenda umfasst Wasser- und Toxinanalytik, Lebensmittelsicherheit sowie Bioenergetik, Bioraffinerie und Umweltbiotechnologie.


