Die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) hat 2025 die EU-Recyclingquote von 50 % für Kunststoffverpackungen aus dem Haushaltsbereich erfüllt. Möglich wurde das durch den systematischen Ausbau der Sammelinfrastruktur und steigende Sammelmengen – trotz der gleichzeitigen Einführung des Einwegpfands.

Die erreichte Recyclingquote steht im Zusammenhang mit einem umfassenden Investitionsprogramm: Gemeinsam mit Partnern hat die ARA bis Ende 2026 mehr als 100 Millionen Euro in neue Sortier- und Recyclingkapazitäten investiert, um die Versorgung der Industrie mit hochwertigen Sekundärrohstoffen langfristig zu sichern.
Ausbau der Ab-Haus-Abholung als Schlüssel zur Recyclingquote
Der Erfolg bei der Recyclingquote ist laut ARA-Vorstand Thomas Eck unmittelbar mit dem Ausbau der Ab-Haus-Abholung verknüpft, über die mittlerweile 2,2 Millionen Haushalte direkt erreicht werden. Eck betont das Zusammenspiel aus einfacher Handhabung und gewachsenem Bewusstsein der Bevölkerung: „Die getrennte Verpackungssammlung muss einfach sein, um zu funktionieren. Die Österreicher vertrauen seit über 30 Jahren auf unser System. Dieses gewachsene Bewusstsein kombiniert mit der einfachen, gemeinsamen Sammlung von Verpackungen in der Gelben Tonne bzw. dem Gelben Sack ist der entscheidende Hebel für unseren Erfolg.“
Trotz der Einführung des Einwegpfands stieg die Sammlung von Verpackungen im Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne 2025 um 7 %. Wien verzeichnete dabei ein Plus von 14 % bei der Nettomenge, Tirol 10 % und Vorarlberg 8 %. Insgesamt stellte die ARA im Jahr 2025 607.000 Tonnen Sekundärrohstoffe bereit, darunter 103.000 Tonnen Leichtverpackungen und Metalle, 320.000 Tonnen Papier sowie 184.000 Tonnen Glas.
Sortierkapazitäten sichern weiteres Wachstum der Recyclingquote
Das infrastrukturelle Fundament für die weitere Steigerung der Recyclingquoten bilden zwei Großprojekte. Die Hightech-Sortieranlage TriPlast in Oberösterreich, in die mehr als 60 Millionen Euro geflossen sind, übernimmt die Sortierung von Kunststoff- und Metallverpackungen. Ergänzend dazu investiert die ARA gemeinsam mit Partnern 40 Millionen Euro in die neue Anlage Sort4cycle, deren Spatenstich im April 2026 erfolgte. Sort4cycle soll ab 2027 das von der ARA entwickelte und patentierte UPCYCLE-Verfahren im großen Maßstab einsetzen, um bisher nicht recyclingfähige Sortierreste stofflich zu verwerten.
ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke ordnet die Investitionen in den übergeordneten wirtschaftlichen Rahmen ein: „Kreislaufwirtschaft ist längst ein wesentlicher Pfeiler der Industriepolitik, indem sie durch Rohstoffsicherung die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. In einem Umfeld aus Unsicherheit und hohen Energiekosten entscheidet Ressourceneffizienz maßgeblich über Wirtschaftlichkeit.“
Regulatorische Lücken und nächste Entwicklungsfelder
Trotz der erfüllten Recyclingquote übt Hauke Kritik an der zeitlichen Abfolge der EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Sammel- und Recyclingquoten greifen bereits, während verbindliche Designrichtlinien und Rezyklat-Einsatzquoten für Hersteller erst Jahre später folgen. Hauke bezeichnet dies als „Konstruktionsfehler“ und fordert eine engere Kopplung der Zielvorgaben sowie Klarheit über die geplanten Rechtsakte der EU-Kommission. Um die heimische Wirtschaft bei der PPWR-Umsetzung zu begleiten, hat die ARA ihr Beratungsangebot ausgebaut: 17 Veranstaltungen in den Jahren 2025 und 2026 erreichten bisher rund 2.000 Teilnehmer aus Industrie und Handel.
Ein weiteres Entwicklungsfeld ist die Gewinnung lebensmitteltauglicher Rezyklate durch mechanische Aufbereitung von Polyolefinen und Polystyrol. Aktuell können die erforderlichen Sicherheitsstandards für Lebensmittelverpackungen nur durch chemisches Recycling erfüllt werden. Die ARA erprobt die Machbarkeit in Pilotprojekten, darunter ein Mehrwegbecher für den Eurovision Song Contest 2025. Mit Blick auf das verpflichtende Textilrecycling ab 2028 plädiert Eck für pragmatische gesetzliche Vorgaben, die auf bestehenden Wirtschaftsstrukturen aufbauen und die Kosten für Steuerzahler gering halten.


