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DACHSER überführt E-Mobilität-Ladeinfrastruktur in Blueprint

07.05.2026

DACHSER hat an drei deutschen Standorten – Freiburg, Malsch bei Karlsruhe und Hamburg – über drei Jahre systematisch nicht-fossile Antriebstechnologien und die Anforderungen an die E-Mobilität-Ladeinfrastruktur in der Logistikpraxis erprobt. Die Erkenntnisse aus diesem Forschungsprojekt fließen nun in einen unternehmensweiten Blueprint ein, der die Transformation des gesamten Road-Logistics-Netzwerks leiten soll.

Mit wegweisenden Entwicklungsschritten hat DACHSER Hamburg als einer von drei E-Mobility Sites im Netzwerk bereits Erfahrung. | Foto: DACHSER
Mit wegweisenden Entwicklungsschritten hat DACHSER Hamburg als einer von drei E-Mobility Sites im Netzwerk bereits Erfahrung. | Foto: DACHSER

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur war dabei weit aufwendiger als zunächst angenommen. An allen drei Standorten wurden die Netzanschluss- und Transformatorleistungen insgesamt verfünffacht. In Hamburg stieg die Kapazität des European-Logistics-Standorts von 630 auf 1.500 Kilovoltampere (kVA), der Food-Logistics-Standort von 1.000 auf 1.500 kVA; Freiburg und Malsch bei Karlsruhe wurden jeweils auf 2.500 kVA ausgebaut. Parallel entstanden Schnellladekonzepte mit bis zu 400 kW DC-Leistung, ergänzt durch Lastmanagement- und Abrechnungssysteme sowie Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher.

Komplexe Infrastruktur als Kernthema der E-Mobility-Sites

Der Ausbau der Stromversorgung stellte sich im Projektverlauf als eines der zentralen Themen heraus. Stefan Hohm, Chief Development Officer bei DACHSER, beschreibt die Bandbreite der Herausforderungen: „Das Projekt hat klar gezeigt, wie anspruchsvoll der Ausbau der Strominfrastruktur ist: lange Lieferzeiten für Trafos, komplexe Abstimmungen mit rund 800 Netzbetreibern in Deutschland, die Notwendigkeit langfristiger Planungshorizonte und eine professionelle Notfallplanung für Ladeausfälle.“ Auch die standardisierte Abrechnung von Ladevorgängen und die Einbindung von Batteriespeichern erwiesen sich als deutlich anspruchsvoller als erwartet.

Eine der E-Ladestationen bei DACHSER Hamburg. | Foto: DACHSER
Eine der E-Ladestationen bei DACHSER Hamburg. | Foto: DACHSER

In Hamburg verdeutlicht der neu angelegte Ladepark mit 30 individuell steuerbaren Ladepunkten, welche Entwicklung möglich ist, wenn ausreichend Leistung zur Verfügung steht. Christoph Kellermann, Operations Manager European Logistics im DACHSER Logistikzentrum Hamburg, beschreibt die Ausgangslage aus dem Jahr 2023: „Als die ersten größeren E-Lkw in Hamburg ankamen, hatten wir anfangs nur zwei Ladesäulen mit vier Ladepunkten mit 180 kW-Leistung. Wenn eine Ladesäule ausfiel, konnten wir am nächsten Tag nicht fahren.“ Engpässe dieser Art gehören mit dem neuen Ladepark der Vergangenheit an. DACHSER betreibt damit nach eigenen Angaben einen der größten Lkw-Ladeparks Hamburgs.

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Praxiserprobung zeigt technologische Reife und wirtschaftliche Grenzen

Die mehrjährige Erprobung im laufenden Speditionsbetrieb lieferte differenzierte Erkenntnisse zur Fahrzeugtechnik. In der Frühphase brachten die ersten batterieelektrischen Schwerlastfahrzeuge technische Anlaufprobleme mit sich, die zu Werkstatt- und Ausfallzeiten führten. Daniel Lewandowski, Fuhrparkleiter im DACHSER Logistikzentrum Hamburg, berichtet von eingeschränkter Verfügbarkeit qualifizierter Hochvolt-Techniker als zusätzlichem Hemmnis in dieser Phase. Inzwischen haben sich E-Lkw im Verteilerverkehr laut Lewandowski als technologisch ausgereift erwiesen. Anfang 2025 nahm mit dem Volvo FL Electric der hundertste Elektro-Lkw mit einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen bei DACHSER den Betrieb auf. Alexander Tonn, COO Road Logistics bei DACHSER, betonte anlässlich der Fahrzeugübergabe: „Im Rahmen unserer langfristigen Klimaschutzstrategie war es uns wichtig, frühzeitig Praxiserfahrungen mit emissionsfreien Fahrzeugen zu machen. Dennoch haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, um die E-Mobilität auch wirtschaftlich zu gestalten.“

E-Mobilität: vom Praxistest zur Blaupause. Einblicke in ein wegweisendes Zukunftsprojekt bei DACHSER Hamburg. | Foto: DACHSER
E-Mobilität: vom Praxistest zur Blaupause. Einblicke in ein wegweisendes Zukunftsprojekt bei DACHSER Hamburg. | Foto: DACHSER

Die wirtschaftliche Dimension bleibt für weite Teile des Markts ein Hindernis. Von den rund 40 Fuhrunternehmern und Servicepartnern, mit denen DACHSER in Hamburg kooperiert, setzt derzeit keiner E-Lkw ein. Ralf Hansen, General Manager des DACHSER Logistikzentrums Hamburg, nennt die Eingangsinvestition von rund 270.000 Euro je Fahrzeug als zentrales Argument gegen den Einstieg. Für Verteilerverkehre unter 18 Tonnen kommt erschwerend hinzu, dass Mauteinsparungen aufgrund geringer Autobahnkilometer bei der Investitionsrechnung kaum ins Gewicht fallen. Hansen bekräftigt dennoch den Anspruch: „Hier wollen wir bei DACHSER mit gutem Beispiel vorangehen und unseren Partnern Wege zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit aufzeigen.“

E-Mobilität als Faktor im Kampf gegen den Fahrermangel

Neben der Infrastruktur- und Wirtschaftlichkeitsfrage beschäftigt DACHSER wie die gesamte Branche das Thema Fahrermangel – und welche Rolle die E-Mobilität dabei spielen kann. Lewandowski beobachtet eine deutliche Generationenlinie: Erfahrene Fahrer begegnen der Technologie oft mit Skepsis, insbesondere aus Sorge vor unzureichender Reichweite. Der Nachwuchs zeige sich hingegen aufgeschlossen. Seit 2019 haben im Hamburger Logistikzentrum über 50 Berufskraftfahrer-Azubis ihre Ausbildung absolviert, aktuell werden 16 angehende Berufskraftfahrer ausgebildet. Lewandowski berichtet, dass E-Lkw bei ihnen sehr gut ankommen: Das leise, vibrationsarme Fahren und die hohe Fahrdynamik werden von den Auszubildenden ausdrücklich geschätzt.

CDO Stefan Hohm über das Forschungsprojekt E-Mobility-Sites bei DACHSER. | Foto: DACHSER
CDO Stefan Hohm über das Forschungsprojekt E-Mobility-Sites bei DACHSER. | Foto: DACHSER

Das Potenzial der E-Mobilität als Rekrutierungsargument stößt jedoch an strukturelle Grenzen. Von den rund 40 Hamburger Partnerbetrieben bildet derzeit keiner Berufskraftfahrer aus, und E-Lkw sind dort kaum vertreten. Die hohen Anschaffungskosten und das Fehlen einer eigenen Ladeinfrastruktur gelten als Haupthindernisse – Faktoren, die DACHSER durch das eigene Engagement als Orientierungspunkt für Partner adressieren will.

Vom Forschungsstandort zum Netzwerk-Blueprint

Nach Abschluss der dreijährigen Projektphase stehen die Teams der E-Mobility-Sites vor der Aufgabe, alle gewonnenen Erkenntnisse zu konsolidieren. Stefan Hohm beschreibt die nächste Phase: „Nun geht es darum, die an den drei Forschungsstandorten gewonnene Erfahrung zu skalieren und die Transformation hin zu nicht-fossilen Antrieben im gesamten Road-Logistics-Netzwerk wirtschaftlich tragfähig und einem Plan folgend weiterzutreiben.“ Als Voraussetzung dafür nennt Hohm planbare politische Rahmenbedingungen, den flächendeckenden Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur an Autobahnen, ausreichende Netzkapazitäten an Logistikstandorten sowie weniger Bürokratie bei Genehmigungsverfahren.

Christoph Kellermann zieht eine Zwischenbilanz: „E-Mobilität ist in der Logistik angekommen und auch nicht mehr wegzudenken. Auch wenn der Weg zur emissionsfreien Transportlogistik noch weit ist, die E-Mobility-Sites haben ihn mit vorgezeichnet. Für DACHSER, aber sicher auch für andere Marktteilnehmende.“ Im Hamburger Projektteam werden nun alle Mosaiksteine des Standorts zusammengeführt, bevor der Blueprint für das Netzwerk finalisiert wird.

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