Auf der CO₂-based Fuels and Chemicals Conference 2026, die am 28. und 29. April in Köln stattfand, wurden drei Innovationen mit dem Preis „Best CO2-Utilisation 2026″ ausgezeichnet. RAPCO2 aus Italien, Aerleum aus Frankreich und OCOchem aus den USA setzten sich in einer Live-Abstimmung des Publikums gegen fünf weitere Nominierte durch – mit Technologien zur CO₂-Nutzung, die industrielle Kraftstoffsynthese, E-Methanol-Produktion und elektrochemische Umwandlungsverfahren abdecken.

Der Innovationspreis wird gemeinsam vom nova-Institut und CO₂ Value Europe organisiert und von Yncoris gesponsert. Fast 170 Fachleute aus dem Bereich Carbon Capture and Utilisation (CCU) sowie Power-to-X nahmen an der Konferenz teil.
CO₂-Nutzung durch Indoor-DAC und Bioreaktor-Umwandlung
RAPCO2 gewann den ersten Platz mit zwei Indoor-Direct-Air-Capture-Produkten: BlueLeaf und eJungle. BlueLeaf bindet CO₂ in einer Menge, die einem Hektar Wald entspricht, und ist für kleine Büros oder Läden ausgelegt. eJungle bündelt die Kapazität von 80 BlueLeaf-Einheiten und liefert als Endprodukt Natriumacetat.
Das abgeschiedene CO₂ wird in einem patentierten Bioreaktor zu Acetat umgewandelt, wobei sich das DAC-Material bei sehr niedrigem Energieverbrauch selbst regeneriert. Im Hauptwerk wird das Acetat durch Ketonsulfatierung und Hydrierung weiter zu Isopropanol (IPA) verarbeitet – ein ungiftiger Kraftstoff mit höherem Heizwert als vergleichbare Alternativen wie Methanol und einem breiteren Anwendungsspektrum.
E-Methanol und Elektrolyse als skalierbare CCU-Pfade
Den zweiten Platz belegte Aerleum mit seiner patentierten Direct-Carbon-Utilisation-Technologie, die atmosphärisches oder industrielles CO₂ direkt in Kraftstoffe und Chemikalien umwandelt. Die erste Anwendung ist E-Methanol, der sich sowohl als Kraftstoff für Luftfahrt und Schiffsverkehr als auch als chemischer Rohstoff für Alltagsprodukte eignet. Das Verfahren ist für den großskaligen industriellen Einsatz ausgelegt und soll CO₂-neutrale Produkte zu wettbewerbsfähigen Kosten liefern.
OCOchem aus den USA belegte mit dem Carbon FluX Elektrolyzer CFX 400 den dritten Platz. Das System wandelt eingefangenes CO₂ und Wasser elektrokatalytisch in Ameisensäure oder Kaliumformiat um. Der CFX 400 setzt auf einen Stack aus vier großindustriellen CO₂-Elektrolysezellen mit hauseigenen Axial-FluX-Gas-Diffusion-Elektroden – jede mit einer Fläche von 15.000 cm², mehr als sechsmal größer als verbreitete Formate. Das modular aufgebaute, werkseitig vorgefertigte System wurde in sechs Wochen installiert, produziert 60 Tonnen pro Jahr und erreicht eine faradische Effizienz von 85 % bei einer Stromdichte von 250 mA/cm². Die Haltbarkeit der Elektroden liegt bei über 1.200 Stunden. Die ersten kommerziell verfügbaren, CO₂-negativen Formiate lieferte OCOchem im Oktober 2025 an fünf Kunden aus.
Sechs Nominierte, ein breites Spektrum der CO₂-Nutzung
Die sechs nominierten Innovationen verdeutlichen, wie weit das Feld der CO₂-Nutzung aktuell reicht – von dezentralen Abscheidungssystemen über industrielle Kraftstoffsynthese bis zu elektrochemischen Umwandlungsverfahren. Neben den drei Gewinnern waren ICODOS aus Deutschland mit einem Verfahren zur eMethanol-Produktion, CERT Systems aus Kanada mit einem elektrochemischen Prozess zur Herstellung von Ethylen sowie CYNiO aus Deutschland mit CO₂-basierten Isocyanaten nominiert.
Das nova-Institut bringt als Mitveranstalter seine Expertise zu erneuerbaren Kohlenstoffkreisläufen ein und unterstützt die Defossilisierung der Chemie- und Materialindustrie. CO₂ Value Europe vernetzt Akteure entlang der gesamten CCU-Wertschöpfungskette, Yncoris ermöglicht die industrielle Umsetzung durch Infrastruktur, Engineering-Unterstützung und operative Expertise.


