Plastrans Technologies aus Linz und das Schweizer Start-up KUORI entwickeln gemeinsam Compounds, die elastisch und zugleich biologisch abbaubar sind. Zusammengeführt wurden die beiden Unternehmen über das Enterprise Europe Network, dessen oberösterreichischer Regionalpartner Business Upper Austria den Kontakt herstellte.

Grundlage der Zusammenarbeit ist die Materialplattform BIOWA, auf der sich Härtegrade gezielt steuern und biobasierte Bestandteile beimischen lassen. Erste Pilotprodukte reichen vom Abflusssieb über Tischtennisbeläge bis zu Schuhsohlen und zeigen, wie unterschiedlich sich die Compounds zuschneiden lassen.
Vom anonymen Profil zur funktionierenden Partnerschaft
Den Ausgangspunkt bildet der EEN-Marktplatz, auf dem Unternehmen ihre Suchprofile anonym veröffentlichen. Plastrans Technologies, ein Linzer Händler für Polymerrohstoffe mit mehr als 35 Jahren Erfahrung und Kunden in mehr als 25 Ländern, stieß dort auf das Profil von KUORI. Rudi Eswein, Director of Sustainability bei Plastrans, schildert den Auslöser: „Wir sind immer offen für Innovationen. Wer transformieren will, darf nicht im Gestern hängen. Daher ist uns im Enterprise Europe Network (EEN) sofort das Profil eines Unternehmens ins Auge gesprungen. Die Kombination aus Elastizität und biologischer Abbaubarkeit ist in der Welt der abbaubaren Materialien neu.“
Hinter dem Profil stand KUORI, ein Schweizer Start-up mit zehn Beschäftigten, das kreislauffähige Materialien aus Lebensmittelresten wie Bananen- oder Nussschalen entwickelt. Das EEN-Team von Business Upper Austria leitete die Kontaktdaten an die Schweizer Kollegin weiter. Als oberösterreichischer Regionalpartner begleitet die Standortagentur seit 2008 die Internationalisierung regionaler KMU und ist Teil eines Netzwerks aus rund 3.000 Experten in 50 Ländern. Ein erstes Treffen folgte auf der FAKUMA 2024. „Daraus ist eine Zusammenarbeit entstanden, die bis heute funktioniert“, sagt Eswein.
Worum es bei dieser Vermittlung geht, beschreibt Projektmanagerin Nicole Laher von Business Upper Austria: „Unsere Aufgabe ist es, Suchprofile oberösterreichischer KMU zu erstellen und europaweit über das EEN zu verbreiten. Suchprofile ausländischer Unternehmen übermitteln wir an potenzielle Partner in Oberösterreich. Damit wollen wir Kooperationen anstoßen.“ Über ein ECO-lyze® Assessment analysierte das Team zudem den Stand der betrieblichen Nachhaltigkeit bei Plastrans. Den Nutzen daraus ordnet Eswein so ein: „Unser Nachhaltigkeitsbericht nach ESRS VSME für 2025 ist in Arbeit. Wir lernen konstant aus den Erfahrungen, die wir während der Erstellung der Berichte und danach sammeln. Business Upper Austria hat uns hier den Einstieg maßgeblich erleichtert.“
Wie Elastizität und Abbaubarkeit in den Compounds zusammenkommen
Technische Grundlage der Compounds ist die Materialplattform BIOWA, auf der die Partner das Zusammenspiel der Komponenten auf das jeweilige Anwendungsszenario abstimmen. Indem sie Härtegrade gezielt steuern und biobasierte Bestandteile wie Olivenkern-Pulver oder Stärke beimischen, decken sie eine große Bandbreite ab. Eswein beschreibt sie so: „So erhalten wir schnell abbaubare oder wasserlösliche Materialien bis hin zu langlebigen, robusten Compounds für Schuhaußensohlen.“
Die robusten Varianten bauen sich unter natürlichen Bedingungen ab, sobald sie zerkleinert oder von der Oberfläche abgerieben sind. Verarbeitet werden die Materialien über Extrusion und Spritzguss, wodurch sie vollständig recycelbar bleiben. In der Arbeitsteilung liefert Plastrans die Rezeptur-Komponenten, KUORI bringt Prozess- und Produktwissen ein. Beide öffnen einander ihre Netzwerke, was Kosten senkt und Spielraum für weitere Anwendungen schafft.

Das Materialangebot, aus dem die Partner schöpfen, ist breit. Eswein zählt auf: „Wir geben unseren Partnern Entscheidungsspielräume und beraten sie dabei. Ganz konkret geht es hier um unser breites Materialportfolio aus konventionellen Materialien, fast allen kommerziell verfügbaren Bio-Polymeren, Compounds, Rezyklaten und ISCC+-zertifizierten Polyolefinen. Gepaart mit den eigenen Fähigkeiten unserer Partner öffnet sich eine Spielwiese für Kreativität. Es geht hier also nicht um ein einziges Material, sondern um eine Fülle an Möglichkeiten.“ Die Abbaubarkeit verstehen die Partner dabei als Notfalloption und nicht als Freibrief, Produkte achtlos zu entsorgen. Im Vordergrund steht die Flexibilität, die sich über die Wahl der Rezeptur ergibt. Gleichzeitig erreichen die Partner nach Esweins Worten ein „ausgewogenes Verhältnis zwischen Verwendungsdauer und Abbaubarkeit“.
Anwendungen von der Sanitärtechnik bis zur Mikroplastik-Reduktion
Wie vielfältig sich die Compounds einsetzen lassen, zeigen die ersten Pilotprodukte. Dazu zählen ein Tischtennisschlägerbelag, dessen Oberfläche den Drall des Balls unterstützt, Filamente für den 3D-Druck sowie Schuhsohlen, in die agrarische Reststoffe wie Olivenkerne, Walnussschalen oder Reststärke einfließen. Auf dem Sanitärmarkt ist bereits ein Abflusssieb aus KUORIs Materialmischung und Plastrans-Rohstoffkomponenten in Kleinserie erhältlich. Dessen Eigenschaften im Alltag beschreibt Eswein: „Geht es versehentlich im Kanal verloren, baut es sich mit der Zeit ab. Weil es flexibel ist, passt es sich gut an und kann etwa gemeinsam mit Haaren weggeworfen oder gereinigt und wiederverwendet werden. Das bestätigt auch das Plastrans-Team, das das Abflusssieb monatelang verwendet hat.“

Ein weiteres Aktionsfeld ist die Reduktion von abriebbedingtem Mikroplastik. Während Kautschuk nur eingeschränkt abbaubar ist und stark vernetzter synthetischer Kautschuk, wie er in Autoreifen steckt, sich biologisch gar nicht abbauen lässt, setzen die elastischen Materialien von KUORI genau hier an. Ein Kinderwagenrad mit abbaubarem Abrieb ist im Labormaßstab bereits gelungen, eine abbaubare Kinderschuhsohle wird in einer frühen Marktphase unter Praxisbedingungen getestet.
Werkstoffe, die solche stark vernetzten Materialien ersetzen sollen, stehen derzeit auf Technology Readiness Level 3, dem experimentellen Nachweis der funktionierenden Technologie. Über die gemeinsamen Compounds hinaus baut Plastrans sein Portfolio weiter aus, etwa um kompostierbare Hochbarrierematerialien auf CO2-Basis. „Außerdem arbeiten wir an Rohstoffpartnerschaften, bei denen es um Beschichtungsmaterialien aus agrarischen Reststoffen geht“, berichtet Eswein.


