Die Montanuniversität Leoben und OMV haben am Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes eine SAF-Forschungsanlage in Betrieb genommen, die verschiedene Produktionsprozesse für nachhaltige Flugkraftstoffe realitätsnah abbildet und vergleicht. Ermöglicht wurde die Infrastruktur durch finanzielle Beteiligung der OMV sowie durch Mittel des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, das das Projekt über die FFG mit rund 1,2 Millionen Euro förderte.

Die Anlage erstreckt sich über ein gesamtes Universitätsgebäude und erlaubt den systematischen Vergleich unterschiedlicher Herstellungsprozesse hinsichtlich Effizienz, Kosten und Skalierbarkeit. Experimentelle Arbeiten werden durch Prozesssimulation und Machine-Learning-Modelle begleitet, die Entwicklungszyklen verkürzen, Risiken beim Hochskalieren verringern und die Grundlage für eine Überführung in den industriellen Maßstab schaffen sollen.
SAF-Produktionspfade auf Effizienz und Skalierbarkeit vergleichen
Sustainable Aviation Fuel ist synthetisch hergestelltes Kerosin mit denselben chemischen Eigenschaften wie fossiles Kerosin und kann daher ohne Anpassungen in bestehenden Flugzeugen und Infrastrukturen eingesetzt werden. Über den gesamten Lebenszyklus lassen sich damit CO₂-Emissionen um mehr als 80 Prozent reduzieren. Die Prozessketten zur SAF-Herstellung gelten jedoch als noch nicht vollständig ausgereift: Effizienzen sind gering, Produktionsmengen begrenzt und die Kosten liegen deutlich über jenen von fossilem Kerosin.

Genau an diesen Engpässen setzt die neue Forschungsinfrastruktur an. Verschiedene Prozesswege können in der Anlage nebeneinandergestellt und die vielversprechendsten Produktionspfade gezielt weiterentwickelt werden. Die digitale Begleitung durch Prozesssimulation und Machine-Learning beschleunigt dabei die Entwicklung und minimiert Risiken beim Hochfahren. Ziel ist es, Technologien aus Österreich effizient in den industriellen Maßstab zu überführen. Univ.-Prof. Dr. Markus Lehner, Leiter des Lehrstuhls für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes an der Montanuniversität Leoben, ordnet die Bedeutung der Anlage ein: „Diese Anlage ist ein wesentlicher Meilenstein in der Forschung für eine nachhaltige, klimaneutrale und leistbare Mobilität auch im Luftverkehr. Sie positioniert Österreich und das Forschungsland Steiermark als eines der führenden Innovationszentren im Bereich der zivilen Luftfahrt.“
Kooperation zwischen Montanuniversität und OMV verbindet Forschung mit industrieller Erfahrung
Planung und Errichtung der Anlage erfolgten in enger Zusammenarbeit zwischen der Montanuniversität Leoben und der OMV, die als langjähriger Industriepartner technologische Expertise einbrachte. Die Partnerschaft verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Erfahrung entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltiger Flugkraftstoffe. Für OMV ist SAF ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie zur Reduktion von CO₂-Emissionen und zum Erreichen des Netto-Null-Ziels bis 2050. Martijn van Koten, OMV Executive Vice President Fuels und Chemicals, beschreibt die strategische Ausrichtung: „Unsere Partnerschaft mit der Montanuniversität Leoben ermöglicht es uns, neue Wege in der grundlegenden Kraftstoffforschung zu gehen. Innovation und Technologie bilden das Fundament unseres Wandels zu einem integrierten Unternehmen für nachhaltige Energie, Kraftstoffe und Chemikalien. Nachhaltige Kraftstoffe spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie ermöglichen bereits heute CO₂-reduzierte Mobilität und unterstützen entscheidend unseren Weg zu Netto-Null bis 2050.“

Die Forschungsanlage in Leoben fügt sich in den strategischen Rahmen beider Partner ein: Die Montanuniversität positioniert sich als Forschungszentrum für klimafreundliche Mobilität, OMV treibt die SAF-Entwicklung als Teil ihrer Transformationsstrategie voran.
Bund, Land und Stadt stärken Österreich als Standort für SAF-Technologien
Die Initiative wird von mehreren politischen Ebenen mitgetragen. Innovations- und Mobilitätsminister Peter Hanke verwies auf die Einbettung der Anlage in die SAF-Roadmap der Bundesregierung sowie deren Verankerung in der Industriestrategie. Er bezeichnete die Anlage als eine von mehreren Flagship-Initiativen zur Weiterentwicklung der heimischen Mobilitätsindustrie und hob die Kooperation von Politik, Wissenschaft und Industrie als Modell hervor: „Die neue Anlage ist in dieser Größe und Form europaweit einzigartig und ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft unseres Landes und zugleich dafür, was gelingen kann, wenn Politik, Wissenschaft und Industrie an einem Strang ziehen.“
Wirtschafts- und Forschungslandesrat Willibald Ehrenhöfer betonte die Bedeutung der Anlage für die Steiermark als Forschungsstandort: „Gerade bei nachhaltigen Flugtreibstoffen zeigt sich, wie entscheidend Innovation für Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit ist. Die enge Zusammenarbeit von Universität, OMV und öffentlicher Hand stärkt den Standort nachhaltig und bringt die Steiermark in die Poleposition bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien für eine klimafreundliche Mobilität.“ Kurt Wallner, Bürgermeister der Stadt Leoben, ergänzte: „Mit der neuen Anlage zeigt die Montanuniversität einmal mehr, wie Forschung in Leoben direkt in die Anwendung kommt. Für unsere Stadt ist das ein klarer Gewinn: Wir stärken unsere Rolle als international sichtbares Zentrum für Technologie und Innovation.“
Europäische Klimaziele befeuern Nachfrage nach SAF
Der zivile Flugverkehr verursacht rund zwei Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Mit der Initiative „ReFuelEU Aviation“ verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, die zivile Luftfahrt bis 2050 klimaneutral zu gestalten, wobei SAF als zentrales Instrument gilt. Die Forschungsinfrastruktur in Leoben setzt an den aktuellen Hürden der Herstellung an und soll durch den systematischen Vergleich und die Weiterentwicklung relevanter Prozessketten technologisch und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für den industriellen Einsatz vorbereiten.


