Im April 2026 hat die HyProMag GmbH in Pforzheim die erste Anlage zur Wiederaufbereitung und Herstellung gesinterter Seltenerdmagnete in der EU eingeweiht. Die Anlage basiert auf der patentierten HPMS-Technologie und ermöglicht ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling mit einer CO₂-Einsparung von bis zu 90 Prozent gegenüber der Primärproduktion.

Das Projekt ist eingebettet in das EU-geförderte Vorhaben „REEsilience„, an dem 18 Partner den Aufbau einer widerstandsfähigen europäischen Lieferkette für Seltenerdmagnete vorantreiben. HyProMag ist dabei neben dem Steinbeis Europa Zentrum und der Hochschule Pforzheim beteiligt, die als Projektkoordinator fungiert.
HPMS-Technologie ermöglicht Seltenerdmagnet-Recycling im Industriemaßstab
Die Anlage in Pforzheim nutzt das Hydrogen Processing of Magnet Scrap-Verfahren (HPMS), das an der Universität Birmingham entwickelt wurde. Wasserstoff wird eingesetzt, um Magnetabfälle zu recycelbarem Pulver zu verarbeiten und einen kurzen Recyclingkreislauf zu unterstützen. Das Verfahren erhält die ursprüngliche Magnetlegierung, sodass kein energieintensiver Zwischenschritt über Metallherstellung und Legierung notwendig ist. Im Vergleich zur Primärproduktion lassen sich dadurch bis zu 90 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen.
Die genehmigte Produktionskapazität der Anlage liegt bei bis zu 750 Tonnen NdFeB-Magnete und -Legierungen pro Jahr. Nach vollständiger Inbetriebnahme startet der Betrieb mit einer Anfangskapazität von rund 100 Tonnen jährlich, die schrittweise auf bis zu 350 Tonnen ausgeweitet werden soll. Weitere Erweiterungen werden geprüft. Der Aufbau der Anlage wurde teilweise durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg finanziert.
Kritische Rohstoffversorgung als Ziel des REEsilience-Projekts
Seltenerdelemente zählen zu den kritischen Rohstoffen der EU: wirtschaftlich unverzichtbar, ihre Versorgung jedoch mit ökologischen, sozialen und geopolitischen Herausforderungen verbunden. Sie finden Einsatz in Permanentmagneten auf Neodym-Eisen-Bor-Basis (NdFeB), die Schlüsselkomponenten in Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen, Luft- und Raumfahrttechnik, Robotik, medizinischer Bildgebung, autonomer Agrartechnik und magnetischer Filtration sind.
Das Steinbeis Europa Zentrum übernimmt im Projekt REEsilience die Kommunikation und Verwertung der Projektergebnisse sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Initiativen auf dem Gebiet. Es entwickelt langfristige Pläne zur nachhaltigen Nutzung der Ergebnisse über das Projektende hinaus und unterstützt die Hochschule Pforzheim beim administrativen und finanziellen Projektmanagement. Dr. Jonathan Loeffler, CEO des Steinbeis Europa Zentrums, besichtigte die Anlage gemeinsam mit fünf Kollegen: „Wir wollen Innovation so in die Anwendung bringen, dass sie Europas Industrie unabhängiger und nachhaltiger macht. Die Einweihung bei HyProMag GmbH zeigt, wie aus Forschung, Unternehmergeist und europäischer Zusammenarbeit konkrete Infrastruktur entsteht.“
Die Einweihungsfeier wurde von Prof. Dr. Carlo Burkhardt, Mitgründer der HyProMag GmbH, eröffnet. Burkhardt koordiniert zugleich das REEsilience-Projekt und hält Gründer- und Gesellschafteranteile an der HyProMag GmbH. Er betonte, dass die Anlage einen Meilenstein beim Aufbau einer kreislaufwirtschaftlichen Lieferkette für Seltene-Erden-Magnete in Europa darstelle und zeige, dass Europa eine eigene, nachhaltige Versorgung mit recycelten Seltenerdmagneten aufbauen könne. Nelson Brito, CEO der HyProMag Germany GmbH, verwies auf die enge Zusammenarbeit mit Partnern seit der Gründung im September 2021 und die Bedeutung des Projekts für die regionale industrielle Entwicklung in Baden-Württemberg.


