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Europas Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe verliert drastisch an Fahrt

08.06.2026

Der Übergang Europas zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe hat sich laut dem aktuellen Bericht von Plastics Europe drastisch verlangsamt. Das jährliche Produktionswachstum zirkulärer Kunststoffe ist auf einen Bruchteil des Stands von 2022 gefallen – während die globale Konkurrenz im selben Zeitraum zulegte.

„Die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe: Eine europäische Analyse“. | Bild: Plastics Europe
„Die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe: Eine europäische Analyse“. | Bild: Plastics Europe

Die Branchenvereinigung Plastics Europe hat die Entwicklung in ihrem zweijährlichen Bericht „Die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe: Eine europäische Analyse“ dokumentiert. Neben Produktion und Handel analysiert der Bericht auch die Abfallwirtschaft – und zeigt, dass der Großteil der gesammelten Kunststoffabfälle in Europa nach wie vor verbrannt oder deponiert wird, statt als Rohstoff in die Kreislaufwirtschaft zurückzufließen.

Kreislaufwirtschaft verliert Boden, während globale Konkurrenz zulegt

Die europäische Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe gerät unter wachsenden Druck. Im Jahr 2024 entfielen 15,8 % der gesamten europäischen Kunststoffproduktion auf zirkuläre Kunststoffe, was einem Volumen von 8,7 Mio. Tonnen entspricht. Das jährliche Wachstum dieser Produktion war jedoch von 13,6 % im Jahr 2022 auf nur noch 1,2 % im Jahr 2024 eingebrochen – während das weltweite Wachstum der Produktion zirkulärer Kunststoffe im selben Zeitraum von 5 % auf 7,7 % stieg. Auch die Nachfrage europäischer Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen schwächte sich ab: Das jährliche Wachstum fiel von 16,2 % im Jahr 2022 auf 4 % im Jahr 2024.

Neue Handelsdaten zeigen zudem eine wachsende Abhängigkeit von externen Wertschöpfungsketten. 19 % der Nachfrage der Verarbeiter nach Kreislaufkunststoffen wurden 2024 durch Importe gedeckt, 12,4 % der in Europa gesammelten Kunststoffabfälle wurden in anderen Regionen recycelt. Bei fossilen Kunststoffen ist die Importabhängigkeit noch ausgeprägter: 25 % der Verarbeiternachfrage werden aus dem Ausland gedeckt. Rob Ingram, Präsident von Plastics Europe und CEO von Ineos Olefins & Polymers Europe, kommentierte: „Es ist zutiefst besorgniserregend, dass wir gerade jetzt, wo Europa den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft beschleunigen sollte, eine dramatische Verlangsamung erleben. Aufgrund hoher Energie- und Rohstoffpreise, Emissionskosten und eines Mangels an fairem Handel befinden sich Europas Kunststoffhersteller im Überlebensmodus. Unsere Wertschöpfungskette kann die notwendigen Investitionen in die Kreislaufwirtschaft nicht tätigen; stattdessen erleben wir eine Dekarbonisierung Europas durch Deindustrialisierung. Wenn dieser äußerst schädliche Trend nicht umgekehrt wird, wird Europa seine Klimaziele nicht erreichen können.“

Recyclingquoten steigen, doch 70 % der Abfälle bleiben ungenutzt

Trotz gestiegener Recyclingquoten bleibt die Abfallbilanz problematisch. Die Recyclingquote der gesammelten Kunststoffabfälle stieg zwar auf 29,6 %, doch 70,4 % des gesammelten Materials wurden 2024 weiterhin verbrannt (16,0 Mio. Tonnen, 48,9 %) oder deponiert (7,0 Mio. Tonnen, 21,5 %). Europas vergleichsweise hoher Anteil zirkulärer Kunststoffe am Produktionsmix ist dabei vor allem auf den Rückgang der fossilen Kunststoffproduktion zurückzuführen, die zwischen 2022 und 2024 um 8,3 % auf 43,3 Mio. Tonnen sank.

Virginia Janssens, Geschäftsführerin von Plastics Europe, ordnete die Lage ein: „Wenn wir weiterhin wertvolle sortierte Abfälle exportieren und recycelte Materialien importieren, untergraben wir sowohl unsere industrielle Basis als auch unsere Klimaziele. Wir müssen den Business Case für zirkuläre Kunststoffe in Europa schaffen, indem wir es wirtschaftlich attraktiv machen, unsere Kunststoffabfälle im Land zu behalten und zu recyceln. Eine unterstützende und zweckmäßige Gesetzgebung ist hierfür ein entscheidender Faktor.“ Janssens verwies zudem auf die strategische Dimension: „Die Golfkrise hat deutlich gemacht, wie anfällig Europa für Krisen im Zusammenhang mit fossilen Ressourcen ist, und dass eine starke europäische Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe kein Luxus ist, sondern unverzichtbar. Kunststoffabfälle sind ein wertvoller Rohstoff, der Europa die Möglichkeit bietet, ein ressourcenreicher Kontinent zu sein. Es ist an der Zeit, die Eigenverantwortung für unsere Kreislaufwirtschaft zurückzugewinnen, indem wir damit beginnen, strategische Ressourcen in Europa zu behalten und zu nutzen.“

Politische Rahmenbedingungen reichen nicht aus

Obwohl die Europäische Kommission den Kunststoffsektor im „Industrial Accelerator Act“ als strategisch bedeutsam eingestuft hat, fehlen den aktuellen politischen Rahmenbedingungen der EU laut Plastics Europe die notwendigen Marktsignale, der erforderliche Umfang und die nötige Geschwindigkeit, um die negativen Trends umzukehren. Plastics Europe fordert auf EU- und nationaler Ebene Maßnahmen in drei Bereichen: eine Lösung der Energie- und Emissionskostenkrise, die Herstellung fairer Handelsbedingungen sowie ambitionierte Instrumente zur Stimulierung der Marktnachfrage nach zirkulären Kunststoffen.

Janssens fasste die Position des Verbands zusammen: „Kreislaufwirtschaft ist nicht nur ein Umweltziel, sondern auch ein industrielles Ziel. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz muss den Wandel wirklich vorantreiben und die Kreislaufwirtschaft zu einer attraktiven Geschäftsmöglichkeit in Europa machen. Ohne dringende Maßnahmen laufen wir Gefahr, die Vorteile unseres eigenen Übergangs zur Kreislaufwirtschaft zu verlieren, während andere Regionen stattdessen den industriellen und wirtschaftlichen Wert für sich beanspruchen.“ Sie ergänzte: „Europa ist die Heimat vieler der weltweit innovativsten und zukunftsorientiertesten Kunststoffhersteller und war bisher Vorreiter beim Übergang zu einem Kreislaufsystem für Kunststoffe. Mit der richtigen Unterstützung können wir ein florierendes Kreislaufsystem für Kunststoffe schaffen, das die nächste Generation der Industrie in Europa stützt und deren wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und Sicherheit gewährleistet.“

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