Die Jahrestagung des Forschungskreises der Ernährungsindustrie e. V. (FEI) hat vom 8. bis 10. September 2026 in Stuttgart-Hohenheim gezeigt, wie Forschungsergebnisse aus der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) in den Betrieben der Lebensmittelwirtschaft ankommen. Die IGF bindet die Unternehmen bereits in den Forschungsprozess ein, sodass sie ihre Fragestellungen einbringen und das gewonnene Wissen anschließend selbst nutzen.

Der FEI-Vorstandsvorsitzende Dr. Götz Kröner hob die Bedeutung des Wissenstransfers für die Innovationskraft der deutschen Lebensmittelwirtschaft hervor. Die Förderbilanz für 2025 weist 109 koordinierte IGF-Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von 45,04 Mio. Euro aus. Ausgezeichnet wurde bei der Tagung außerdem Dr. Kerstin Risse, die den Friedrich-Meuser-Forschungspreis 2026 für ihre Dissertation zu Tensiden und Proteinen an Öl-Wasser-Grenzflächen erhielt.
FEI bindet über 1.000 Unternehmen in die Projektbegleitung ein
Die Industrielle Gemeinschaftsforschung setzt bereits vor dem Forschungsergebnis an und bindet die Unternehmen in den Projektverlauf ein. Industrievertreter bringen ihre Praxiserfahrung und ihre Forschungsbedarfe in die Projekte ein und tragen das neu generierte Know-how zurück in ihre Betriebe. Für die überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft entsteht daraus ein direkter Zugang zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Kröner knüpfte daran eine Anforderung an das Tempo dieses Transfers: „Forschung allein genügt nicht. Das neue Wissen muss auch ankommen. Und es muss schnell ankommen.“
Wie breit das Transfernetzwerk aufgestellt ist, belegt die Beteiligung an den projektbegleitenden Ausschüssen. In ihnen engagierten sich 1.025 Unternehmen aus mehr als 20 Wirtschaftsbranchen, darunter 633 kleine und mittelständische Unternehmen. Rechnerisch war damit etwa jedes sechste der rund 6.000 Unternehmen der deutschen Lebensmittelindustrie in die Projektbegleitung eingebunden, während 49 projektbeteiligte Wirtschaftsverbände den Transfer der Ergebnisse in die industrielle Praxis als Multiplikatoren unterstützten.
Neben den persönlichen Kontakten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft hält Kröner verlässliche Rahmenbedingungen der Forschungsförderung für eine wesentliche Voraussetzung des Wissenstransfers. Im Haushaltsentwurf des BMWE für 2027 ist eine Kürzung der IGF-Mittel um 11,5 Mio. Euro auf 167 Mio. Euro vorgesehen, worauf er in diesem Zusammenhang hinwies. Der FEI ist als zentrale Forschungsorganisation der deutschen Lebensmittelwirtschaft und Mitglied der AiF über direkte Mitgliedschaften sowie über 45 Wirtschaftsverbände und Branchenorganisationen mit rund 6.000 Unternehmen und mehr als 30.000 Betrieben des Lebensmittelhandwerks verbunden und kooperiert bei jährlich rund 100 IGF-Projekten mit über 120 Forschungseinrichtungen.
Abendempfang und Vortragstag führen Wissenschaft und Praxis zusammen
Der persönliche Austausch begann am Vorabend des wissenschaftlichen Programms mit einem Abendempfang im Marmorsaal im Weißenburgpark. Kröner begrüßte die Gäste, Prof. Dr. Dr. Friedrich Meuser, langjähriger ehemaliger Leiter des Wissenschaftlichen Beirats des FEI, sprach aus persönlicher Perspektive über den Verein und seine Bedeutung.
Das wissenschaftliche Programm an der Universität Hohenheim eröffneten deren Rektor Prof. Dr. Christoph Schneider und Sarah Schweizer, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg. Durch das Vortragsprogramm führte Prof. Dr. Jochen Weiss. Forscher stellten aktuelle Themen und Projekte vor, darunter Arbeiten aus dem FEI-Netzwerk, bevor ein Beitrag aus der unternehmerischen Praxis den Vortragstag abschloss.
Vorgestellt wurde außerdem der Jahresreport 2025/2026, der neben Zahlen und Fakten zur Forschungsförderung die Höhepunkte der Verbandsarbeit zwischen Sommer 2025 und Sommer 2026 dokumentiert. Die gedruckte Ausgabe ging an rund 500 Interessenten, die digitale Fassung steht zum Download bereit.
Friedrich-Meuser-Forschungspreis 2026 für eine Arbeit zu Emulgatoren
Den Friedrich-Meuser-Forschungspreis 2026 erhielt Dr. Kerstin Risse für ihre Dissertation „Rethinking the interfacial behaviour of surfactants and their interactions with proteins. A structure, temperature and time-dependent approach“. Die Arbeit entstand an der Technischen Universität Berlin im Fachgebiet Lebensmitteltechnologie und -materialwissenschaften unter Betreuung von Prof. Dr. Stephan Drusch und ging aus dem vom FEI geförderten IGF-Projekt 21099 N hervor. Überreicht wurde die Auszeichnung am 10. September 2026 durch Kröner.

Emulsionen gehören zu zahlreichen Lebensmitteln, von Milchprodukten über Saucen und Feinkost bis zu veganen Alternativen, und ihre Stabilität hängt von den Vorgängen an der Grenzfläche zwischen Öl und Wasser ab. Die Lebensmitteltechnologin untersuchte, wie die molekulare Struktur von Tensiden, die Zusammensetzung der Ölphase sowie Temperatur und Zeit das Zusammenspiel von Tensiden und Proteinen beeinflussen, und wies systematisch nach, dass beide Emulgatortypen unter bestimmten Bedingungen nicht nur konkurrieren, sondern sich bei der Stabilisierung von Emulsionen auch gegenseitig unterstützen. Daraus ergeben sich Ansatzpunkte für die Auswahl von Emulgatoren und Prozessbedingungen in der industriellen Lebensmittelherstellung.
Der 2019 gestiftete und nach Friedrich Meuser benannte Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird 2027 erneut ausgeschrieben.


