
ENGEL bringt zur Fakuma 2026 fünf Live-Exponate nach Friedrichshafen, die unterschiedliche Ansatzpunkte für eine effizientere Spritzgießproduktion vorführen. Vom 12. bis 16. Oktober reicht die Bandbreite am Stand 5203 in Halle A5 vom sprachbasierten Assistenzsystem über die Verarbeitung von Flüssigsilikon bis zur automatisierten Großserie für Automotive, Verpackung und Haushaltswaren. Die Anforderungen an die Spritzgießproduktion nehmen dabei branchenübergreifend zu, mit höheren Stückzahlen, engeren Toleranzen, steigendem Kostendruck und dem Wunsch nach mehr Prozesssicherheit bei weniger Personal. Vorgeführt wird jeweils die gesamte Anwendung samt Werkzeug, Automatisierung und Assistenzsystemen, mehrfach gemeinsam mit Partnerunternehmen aus Werkzeugbau, Materialversorgung und Etikettiertechnik.
Stecker und Kleiderbügel in vollelektrischer Großserie
Für hochvolumige Standardteile stellt ENGEL die vollelektrische WINTEC e-win 1800 in den Serienbetrieb. Am Messestand entsteht damit eine rund 10 x 6 mm große Steckerkomponente aus der Automobilindustrie, das Werkzeug dazu stammt von CWB Technology Germany. Hersteller solcher Bauteile stehen unter hohem Kostendruck, weil die Margen gering sind und der Wettbewerb mit Niedriglohnländern hart ist. Die Maschine ist passgenau dimensioniert und liefert nach Angaben des Unternehmens genau jene Funktionen, die den Prozess wirtschaftlich voranbringen, kombiniert mit einer hochstabilen Prozessführung und einem schlanken Funktionsumfang.
Premiere hat in dieser Anwendung der neue Linearroboter ENGEL viper 6, der den Anguss entnimmt, während die fertigen Teile frei auf ein Förderband fallen. Auf Wunsch liefert ENGEL die komplette Zelle inklusive Schutzumzäunung und Förderband als CE-zertifizierte Einheit aus einer Hand, eine nachträgliche Abnahme durch Dritte entfällt damit. Die Materialförderung und -trocknung steuert die Piovan Group bei, die Temperiertechnik kommt von ENGEL selbst.

Aus dem Bereich Haushaltswaren kommt die WINTEC t-win 6500, eine standardnahe Zweiplattenmaschine mit 6.500 kN Schließkraft. Sie fertigt live Kleiderbügel, wobei in einem 4+4-fach-Familienwerkzeug gleichzeitig vier Bügelkörper und vier Haken entstehen. Ein Linearroboter viper 20 übernimmt die Entnahme, bei einer Zykluszeit von rund 40 Sekunden erreicht die Anlage einen Ausstoß von rund 360 Kleiderbügeln pro Stunde. Verarbeitet wird ein Polypropylen-Copolymer von Borouge International.
Das reibungsarme Zweiplatten-Design sorgt für eine nahezu verschleißfreie, präzise und schnelle Schließeinheit bei hoher Plattenparallelität, die Steuerung C3 mit 15-Zoll-Touchdisplay macht die Maschine auch für angelerntes Personal intuitiv bedienbar. Bereits in der Standardausstattung sind die ENGEL iQ-Assistenzsysteme enthalten, darunter iQ weight control für ein konstantes Einspritzvolumen. Angesprochen sind damit Betriebe, für die fehlendes Fachpersonal, enge Zeitfenster und knappe Budgets zum Alltag gehören und die auf kurze Zykluszeiten, hohe Reproduzierbarkeit und geringen Ausschuss angewiesen sind. Aus dem Verzicht auf Sonderausstattung leitet ENGEL einen Kostenvorteil gegenüber vergleichbaren Wettbewerbsmaschinen ab.
Dünnwandbecher und Silikondichtungen fordern die Spritzgießproduktion
In der Verpackungsindustrie entscheidet bei Milliarden produzierten Bechern pro Jahr jedes Prozent Energieeinsparung über die Marge. Am Beispiel eines Joghurtbechers führt ENGEL die neue vollelektrische e-motion 380 vor, die eine kurze Trockenlaufzeit mit einer Einspritzleistung von 500 mm pro Sekunde bei einem Schneckendurchmesser von 70 mm verbindet. Damit erreicht die vollelektrische Maschine ein Performance-Niveau, das bislang überwiegend hybriden oder hydraulischen Maschinen vorbehalten war.
Gefertigt wird ein In-Mould-Labeling-Becher (IML) in einem 6-Kavitäten-Werkzeug, mit einer Wandstärke von 0,3 mm und einem Gewicht von nur 6,33 Gramm, wobei Becher und Label aus demselben recyclingfähigen Monomaterial bestehen. Ein Side-Entry-Roboter entnimmt die Teile beidseitig und legt gleichzeitig neue Etiketten ein. Die komplette Fertigungszelle inklusive Automatisierung liefert ENGEL auf Wunsch werkseitig abgenommen aus Schwertberg. Als Partner wirken Bazigos im Werkzeugbau, Campetella bei der IML-Automatisierung, MCC Verstraete beim Label, Borouge International beim Material und Piovan bei der Materialförderung mit.

Andere Anforderungen stellt die Spritzgießproduktion mit Flüssigsilikon (LSR), wo Grate, ungleichmäßiger Werkzeugverschleiß und Chargenschwankungen für die Verarbeiter oft zum Alltag gehören. Eine elektrische und holmlose ENGEL victory electric 1565/220 mit 2.200 kN Schließkraft produziert am Stand live eine LSR-Dichtung für ein Wechselrichter-Bauteil, gratfrei und ohne Nacharbeit. Möglich macht das die nahezu hundertprozentige Plattenparallelität der holmlosen Bauweise, die die Schließkraft gleichmäßig über die gesamte Werkzeugfläche verteilt, ohne die speziell gewölbten Werkzeugplatten, die andere Bauweisen für dichte LSR-Werkzeuge benötigen.
Das Bauteil verlangt Konturtoleranzen im Hundertstel-Millimeter-Bereich, das Werkzeug von Partner ACH Solution sogar im Tausendstel-Millimeter-Bereich. Die Entnahme des noch heißen und leicht verformbaren Teils übernimmt ein ENGEL viper Linearroboter mit speziellem Greifwerkzeug. Zusätzliche Prozesssicherheit bringt die serienmäßige Drucküberwachung der Dosieranlage, die bereits ab 50 bar Alarm schlägt und damit kostspielige Stillstände verhindert, ergänzt um das Assistenzsystem iQ weight control für gleichbleibende Bauteilqualität.
Sprachdialog mit der Maschine und KI-Basis ab Werk
Mit Inject AI überträgt ENGEL Maschinendaten in verständliche Antworten. Der ENGEL Virtual Assistant, kurz EVA, versteht Fragen in natürlicher Sprache, ordnet sie in den Maschinen- und Prozesskontext ein und schlägt den nächsten Handlungsschritt vor, ohne dass in Dokumentationen, Steuerungsmenüs oder verstreuten Wissensquellen gesucht werden muss. Am Messestand können Besucher selbst mit der autonomen Spritzgießzelle sprechen und erleben, wie EVA auf Fragen zu Prozessabweichungen, Alarmen oder Teilequalität reagiert.

Jede neue ENGEL und WINTEC Maschine wird ab sofort „AI injected“ ausgeliefert und bringt damit serienmäßig die technologische Basis für KI-Anwendungen in der Spritzgießproduktion mit, vorbereitet für modular erweiterbare Lösungen im Kontext der jeweiligen Produktion. Für Bestandskunden ist relevant, dass sich auch bestehende Maschinen mit CC300- oder C3-Steuerungen je nach technischer Voraussetzung per Software-Update nachrüsten lassen.
Technologische Grundlage von EVA ist das ENGEL AI Interface, das Maschinenkontext unter anderem auf Basis des Model Context Protocol (MCP) kontrolliert für freigegebene Anwendungen nutzbar macht. Darin liegt nach Angaben des Unternehmens der Unterschied zu allgemeinen AI-Systemen. ENGEL positioniert die Lösung als Startpunkt eines wachsenden AI-Ökosystems, das gemeinsam mit Kunden und Partnern weiterentwickelt wird, mit dem Ziel einer zunehmend automatisierten und selbstregelnden Produktion.



