Die österreichische Lackindustrie kam 2025 nur zu einer leichten Stabilisierung und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Der Umsatz legte um 1,2 Prozent zu, mengenmäßig verzeichnete die Branche ein Plus von rund 4 Prozent, doch die fehlende Dynamik in den zentralen Abnehmermärkten verhinderte eine durchgreifende Erholung.

Für 2026 bleibt der Ausblick verhalten. Neben strukturellen Belastungen wie hohen Energie- und Lohnstückkosten setzen zunehmend geopolitische Entwicklungen die Hersteller unter Druck, vom Konflikt im Nahen Osten über steigende Rohölpreise bis zu Verwerfungen in den globalen Lieferketten. Die wichtigsten Eckpunkte dieser Entwicklung sowie ein Ausblick auf den Smart Surface Summit am 22. Oktober 2026 folgen im Überblick, die vollständige Analyse mit allen Zahlen erscheint in unserer Print-Ausgabe im August (Ausgabe 05, Erscheinungstermin 28.08.2026).
Bauflaute und Krise der Autobranche dämpfen die Nachfrage
Besonders belastend wirkte sich 2025 die schwache Baukonjunktur aus, die die Lackindustrie das gesamte Jahr über erheblich bremste. Zwar konnte das niedrige Niveau des Vorjahres gehalten werden, von einer echten Erholung war jedoch keine Rede. Fehlende Infrastrukturprojekte, eine geringe Zahl an Baubewilligungen und die allgemeine Investitionszurückhaltung verhinderten eine stärkere Nachfrage, wobei vor allem dekorative Beschichtungen sowie Produkte für Hochbau und Innenausbau betroffen waren.
Im industriellen Bereich gab es zwar leichte Zuwächse, diese reichten aber nicht aus, um die schwache Entwicklung in den übrigen Segmenten auszugleichen. Angespannt blieb insbesondere die Lage im Automotive-Sektor, wo Produktionskürzungen und Konsumzurückhaltung die Nachfrage weiter dämpften. „Die leichte Stabilisierung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich unsere Branche weiterhin in einem sehr anspruchsvollen Umfeld bewegt. Die fehlende Dynamik in zentralen Abnehmermärkten bremst die Erholung deutlich“, erklärt Hubert Culik, Obmann der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie.

Auch im Außenhandel verzeichnete die Lackindustrie deutliche Rückgänge, mengenmäßig um 10,5 Prozent und wertmäßig um 7,1 Prozent. Wichtigster Exportmarkt blieb mit Abstand Deutschland mit 18.400 Tonnen, wo die Ausfuhren mengenmäßig um 11,6 Prozent und wertmäßig um 14,4 Prozent zurückgingen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete die Slowakei, die mit einem Plus von 62 Prozent bei den Exportmengen gegen den allgemeinen Trend zulegte.
Geopolitische Risiken treiben die Rohstoffkosten der Lackindustrie
Der Konflikt im Nahen Osten wirkte sich auf die internationale Rohstoffversorgung und Logistik aus und verschärfte die Rahmenbedingungen für die Branche deutlich. Steigende Rohölpreise führten zu massiven Kostensteigerungen bei zentralen Rohstoffen wie Lösungsmitteln, Harzen und Pigmenten, bei einzelnen Chemikalien wurden Preissteigerungen von bis zu 90 Prozent gemeldet. „Die aktuellen Krisen führten zu spürbaren Verwerfungen in den globalen Lieferketten. Umleitungen wichtiger Schifffahrtsrouten verlängern die Transportzeiten signifikant und erhöhen das Risiko von Versorgungsengpässen entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, betont Culik.
Da die für die Lackproduktion essenziellen Komponenten direkt oder indirekt auf petrochemischen Rohstoffen beruhen, bleibt die Abhängigkeit auch dann bestehen, wenn die Branche zu rund 80 Prozent auf wasserbasierte Systeme setzt. „Auf der einen Seite kämpfen wir mit starkem Wettbewerbsdruck aufgrund der hohen Energie- und Lohnstückkosten. Andererseits verschärfen geopolitische Risiken die Lage“, so Culik. Eine nachhaltige Erholung ist derzeit nicht in Sicht, vielmehr dürften die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen die Branche über das Konfliktgeschehen hinaus begleiten.
Bürokratielast und Titandioxid-Urteil prägen das regulatorische Umfeld
Die zunehmende regulatorische Belastung stellt die Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, weshalb der Abbau von Bürokratie trotz der beschlossenen Omnibus-Pakete zu den dringendsten wirtschaftspolitischen Aufgaben auf österreichischer und europäischer Ebene zählt. Spürbare Entlastungen werden aus Sicht der Branche erst dann möglich sein, wenn der Zustrom neuer Berichtspflichten, Dokumentationsvorgaben und Regulierungen deutlich zurückgeht. Erste Schritte zeichnen sich ab, etwa die Entschärfung der Lieferketten-Richtlinie und der Umstand, dass die umfassende REACH-Revision in dieser Form vorerst nicht weiterverfolgt wird.
Für die österreichische Lackindustrie brachte 2025 zudem einen bedeutenden rechtlichen Erfolg. Der Europäische Gerichtshof bestätigte endgültig die Nichtigerklärung der Einstufung von Titandioxid in Pulverform als vermutlich krebserzeugend beim Einatmen und folgte damit den bereits 2022 festgestellten gravierenden methodischen Mängeln. Titandioxid bleibt damit als sicheres und unverzichtbares Weißpigment für die Branche bestehen.
Smart Surface Summit bringt die Oberflächentechnik im Oktober zusammen
Über die wirtschaftliche Lage hinaus richtet sich der Blick der Branche auf den Smart Surface Summit, der am 22. Oktober 2026 im TFZ Wiener Neustadt stattfindet. Veranstaltet wird die material- und technologieübergreifende Plattform von der FCIO-Berufsgruppe Lack- und Farbenindustrie gemeinsam mit der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus.
Der Summit widmet sich funktionellen Oberflächen, ohne die heute kaum ein Produkt mehr auskommt, und der Frage, wie sich die Akteure der Oberflächentechnik an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Als Schlagwort der Stunde nennen die Veranstalter dabei nicht Nachhaltigkeit, sondern Sicherheit, woraus sich Fragen nach Chancen, Risiken und der künftigen Marktentwicklung ergeben.
Die 28 Betriebe der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie beschäftigen rund 2.800 Mitarbeiter und produzieren jährlich 139.000 Tonnen im Wert von 508 Millionen Euro, wobei 10 bis 15 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung fließen.


