Internationale Fachbeiträge, wissenschaftliche Präsentationen und praxisnahe Formate prägen die IEA-Wärmepumpenkonferenz 2026, die vom 26.-29. Mai den Austausch zu Wärmepumpen zwischen Forschung, Industrie, Politik und Finanzwelt ermöglicht. Die Veranstaltung dient als Plattform für aktuelle Entwicklungen, Anwendungen und strategische Fragestellungen im Kontext der Dekarbonisierung.

Organisiert vom AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit dem Technology Collaboration Programme on Heat Pumping Technologies (HPT TCP), umfasst das Programm rund 380 Einreichungen sowie Workshops, Exkursionen und Policy-Dialoge. Diese Formate greifen unterschiedliche Aspekte von Wärmepumpen auf, von technologischen Entwicklungen bis hin zu regulatorischen und marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Internationales Programm und fachliche Schwerpunkte
Das Konferenzprogramm erstreckt sich über vier Tage und verbindet unterschiedliche Formate, die wissenschaftliche Inhalte und praktische Anwendungen zusammenführen. Am ersten Tag stehen Workshops und technische Exkursionen im Mittelpunkt, die Einblicke in konkrete Projekte und Anlagen im Raum Wien ermöglichen. An den darauffolgenden Tagen folgen durchgehend Vorträge, Präsentationen und begleitende Programmpunkte, die sich über den gesamten Tagesverlauf erstrecken.
Die offizielle Eröffnung erfolgt mit Beiträgen der Internationalen Energieagentur sowie des österreichischen Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Daran schließen internationale Plenarvorträge zu Energie- und Klimapolitik sowie zur technologischen und industriellen Transformation an. Im weiteren Verlauf folgen wissenschaftliche und anwendungsorientierte Präsentationen, begleitet von einer Ausstellung. Parallel dazu finden etablierte Programmpunkte wie die Generalversammlung der European Heat Pump Association sowie Abendveranstaltungen statt.
Workshops und vertiefende Formate zu Wärmepumpen
Die Workshops greifen zentrale Fragestellungen entlang der Entwicklung und Anwendung von Wärmepumpen auf und behandeln sowohl technologische als auch systemische Aspekte. Thematisch reichen sie von Hochtemperatur-Wärmepumpen für industrielle Prozesswärme über Anwendungen in energiepositiven Quartieren bis hin zu Lösungen für Mehrfamilienhäuser und die kommunale Wärmeplanung.
Weitere Inhalte betreffen Sicherheitsaspekte im Umgang mit brennbaren Kältemitteln, Konzepte zur Komfortkühlung in unterschiedlichen Klimazonen sowie Fragen der Kreislaufwirtschaft und der Optimierung von Planung und Betrieb. Die Formate verbinden Beiträge aus Forschung und Industrie mit interaktiven Elementen wie Diskussionen, Fallstudien und Gruppenarbeiten und ermöglichen so einen Austausch zwischen unterschiedlichen Akteursgruppen.
Technische Exkursionen und konkrete Anwendungen
Die technischen Exkursionen am ersten Konferenztag führen zu ausgewählten Standorten, an denen Wärmepumpen unter realen Bedingungen eingesetzt werden. Dabei werden unterschiedliche Anwendungsbereiche abgedeckt, die von Forschungseinrichtungen über industrielle Anlagen bis hin zu Projekten im urbanen Raum reichen.
Zu den Stationen zählen unter anderem das Wärmepumpenlabor des AIT Austrian Institute of Technology, industrielle Anwendungen wie das dampferzeugende System bei Takeda sowie Projekte in bestehenden Gebäuden, etwa im denkmalgeschützten Rathaus Tulln. Ergänzend werden Einblicke in Produktionsprozesse bei Vaillant in Senica sowie in weitere Anwendungen gegeben, bei denen Wärmepumpen in bestehende Systeme integriert werden.
Politische Rahmenbedingungen und internationale Zusammenarbeit
Im Rahmen der Policy Foren kommen Vertreterinnen und Vertreter aus internationalen Organisationen, Ministerien, Industrie und Forschung zusammen, um zentrale Fragestellungen im Zusammenhang mit Wärmepumpen zu diskutieren. Dabei werden unterschiedliche Ebenen berücksichtigt, von lokalen Herausforderungen bis hin zu internationalen Entwicklungen.
Behandelt werden unter anderem Fragen zu globalen Lieferketten, zu Marktmechanismen und zu innovationspolitischen Rahmenbedingungen. Auch Aspekte wie regulatorische Unterschiede, Investitionsbedingungen, Energieversorgung sowie soziale Auswirkungen werden aufgegriffen. Die Diskussionen ermöglichen einen Austausch verschiedener Perspektiven und greifen Themen entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf.

Die 15. IEA Heat Pump Conference bringt internationale Expertinnen und Experten aus Forschung, Industrie und Politik zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Innovationen im Bereich Wärmepumpentechnologien zu diskutieren. Der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist entscheidend, um Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie der Energiewende rasch weiterzuentwickeln.
Thomas Fleckl, Vorsitzender des nationalen Organisationskomitees und Leiter der Abteilung für nachhaltige thermische Energiesysteme am AIT Austrian Institute of Technology
Wärmepumpentechnologien und industrielle Anwendungen
Wärmepumpen zählen zu den zentralen Technologien für die Dekarbonisierung von Gebäuden, Industrie und Energiesystemen. Durch ihre hohe Effizienz und die Nutzung von Umwelt- oder Abwärme tragen sie dazu bei, den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen im Heiz- und Kühlsektor zu reduzieren, der weltweit einen wesentlichen Anteil am Endenergieverbrauch hat.
In der industriellen Anwendung werden zunehmend Systeme entwickelt, die deutlich höhere Temperaturen bereitstellen können als konventionelle Lösungen. Im Projekt „High Temperature Heat Pump for Industry“ werden Hochtemperatur-Wärmepumpen auf Kolbenkompressor-Basis entwickelt, die Leistungen von bis zu 8 Megawatt erreichen und Temperaturen von bis zu 150°C liefern, mit einer angestrebten Erweiterung auf bis zu 200°C. Die Anlagen werden in Tirol erprobt und in bestehende Energiesysteme integriert, wobei auch Abwärme genutzt und in Fernwärmenetze eingespeist wird.
Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz von Wärmepumpen in der pharmazeutischen Produktion im Projekt „AHEAD“. Dort wird eine dampferzeugende Wärmepumpe eingesetzt, die ausschließlich mit natürlichen Kältemitteln wie Ammoniak, Butan und Wasser betrieben wird. Durch die Kombination mit Dampfverdichtern können Temperaturen von über 184°C erreicht werden, wodurch fossile Energieträger ersetzt werden. Am Standort lassen sich die CO₂-Emissionen im Produktionsprozess um bis zu 90 Prozent reduzieren, was einer Einsparung von rund 1.900 Tonnen CO₂ pro Jahr entspricht.
Darüber hinaus zeigen weitere Projekte Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Industriebereichen. Im Projekt „Prozess-Wärmepumpen“ wurden industrielle Prozesse analysiert, um geeignete Einsatzfelder zu identifizieren und technische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu bewerten. Ergänzend untersucht das internationale Projekt „IEA HPT Annex 59“ Einsparpotenziale bei energieintensiven Trocknungsprozessen in Industrie, Gewerbe und Haushalten.
Neben klassischen Industrieprozessen wird auch die Nutzung industrieller und systemischer Abwärme weiterentwickelt. In der Wiener Anlage Spittelau wird bislang ungenutzte Abwärme aus der Abfallbehandlung mithilfe einer Großwärmepumpe in Fernwärme überführt. Die Anlage erreicht eine Leistung von 16 Megawatt und zeigt, wie großskalige Wärmepumpensysteme in bestehende Infrastrukturen integriert werden können.


