Auf der Innovationskonferenz von Plastics Europe Deutschland in Berlin ging es um den Beitrag der Kunststoffindustrie zur Hightech-Agenda Deutschland. Die deutsche Bundesregierung will das Land mit dieser Agenda im internationalen Wettbewerb voranbringen. Für deren Schlüsselthemen stellten zahlreiche Unternehmen auf der Konferenz ihre Lösungen vor.

Mehrere Beiträge gingen zudem der Frage nach, wie neue Entwicklungen rascher in die industrielle Wertschöpfung gelangen und welche Rahmenbedingungen der Standort dafür benötigt. Neben den Präsentationen standen eine Keynote, eine Podiumsdiskussion und die Vorstellung einer neuen Podcast-Reihe auf dem Programm.
Werkstoffe für Energie, Mobilität und Recycling auf der Innovationskonferenz
Kunststoffspezialisten aus Industrie und Forschung zeigten in Berlin Werkstoffe, Technologien und Lösungen für Zukunftsfelder der Hightech-Agenda wie nachhaltige Mobilität, klimaneutrale Energieversorgung, Medizintechnik, Robotik und Kreislaufwirtschaft. Vertreten waren ARCUS Greencycling Technologies, BASF, Borouge International, Covestro, Dow, Evonik, das Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE, LYB, matterr, Polymaterials, Röhm und VinylPlus.
Die auf der Innovationskonferenz gezeigten Hochleistungsanwendungen betrafen Energie, Mobilität und Infrastruktur, energieeffiziente Gebäude, Industrie 4.0 und weitere Zukunftsindustrien. Das andere Ende der Bandbreite bildeten neue Recyclingtechnologien und alternative Rohstoffe.
Welche Rolle Kunststoffe für diese Felder spielen, begründete Dr. Thorsten Dreier, Chief Technology Officer von Covestro, in seiner Keynote. „Deutschland muss sein Profil als Hightech-Standort weiter schärfen“, sagte Dreier. „Die Zukunftsfelder der Hightech-Agenda haben eines gemeinsam: Sie brauchen hohe Materialkompetenz. Ohne leistungsfähige Kunststoffe werden viele dieser Technologien nicht funktionieren.“ Daraus leitete Dreier eine Folgerung für den Standort ab: „Wer Technologieführerschaft anstrebt, muss deshalb auch die dafür erforderlichen Material-, Produktions- und Wertschöpfungsketten im eigenen Land sichern.“
Material-Innovationen sollen in Deutschland den industriellen Maßstab erreichen
In der Podiumsdiskussion der Innovationskonferenz ging es um den Übergang von der Forschung in die industrielle Produktion. Professor Manfred Renner, Leiter des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT), sah das größte Risiko darin, dass andere Regionen neue Technologien schneller industrialisierten. „Wer Pilotanlagen, Demonstrationsprojekte und industrielle Skalierung beherrscht, entscheidet am Ende darüber, wo Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen und wer bei den Technologien von morgen führend ist.“
Die Transformation zu einer zirkulären und klimaneutralen Kunststoffwirtschaft knüpfte Renner an eine doppelte Voraussetzung. Gelingen könne sie nur, wenn bestehende Produktionsstrukturen erhalten und gleichzeitig neue Technologien, Infrastrukturen und Geschäftsmodelle aufgebaut würden.
Welches Gewicht das Zusammenwirken von Wissenschaft, Industrie, Start-ups, Investoren und Politik für leistungsfähige Innovationsökosysteme hat, betonte auf dem Podium Dr. Carsten Gerhardt, Partner bei der Unternehmensberatung EY. „Deutschland sollte insgesamt stärker entlang kompletter Wertschöpfungsketten und konkreter Skalierungsprojekte denken“, so Gerhardt.
Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, betonte: „Deutschland verfügt über exzellente Forschung, hochqualifizierte Fachkräfte, weltweit erfolgreiche Unternehmen und starke industrielle Netzwerke. Was uns zu oft fehlt, ist der Sprung von der Idee in den Markt.“ Daraus leitete sie den Bedarf an einer neuen Innovationsdebatte ab: „Gerade deshalb darf unser Land nicht nur auf Sozialreformen blicken, sondern benötigt auch eine neue Innovationsdebatte. Im Kern geht es darum, wie wir innovative und nachhaltige Materialien wie Kunststoffe dabei optimal einsetzen.“
Maßgeblich ist für Bunte die industrielle Umsetzung im eigenen Land: „Innovation Made in Germany darf nicht in Laboren oder Pilotanlagen steckenbleiben, sondern muss hierzulande im industriellen Maßstab Realität werden. Die Investitionsentscheidungen fallen jetzt, aber dazu braucht es dringend verlässliche Rahmenbedingungen.“
Wie Forschungsergebnisse zu wirtschaftlich erfolgreichen Anwendungen werden, ist auch Gegenstand der Podcast-Reihe „Der Stoff, aus dem Hightech ist“ von Plastic.Climate.Future., die Plastics Europe Deutschland auf der Innovationskonferenz vorgestellt hat. In den Folgen kommen Innovatoren der deutschen Polymerindustrie zu Wort, die über neue Werkstoffe, zirkuläre Technologien und industrielle Skalierung berichten.



