Die ARA Bern, eine der größten Kläranlagen der Schweiz, hat im August 2025 eine Regenerative-Thermische Oxidationsanlage (RTO) des Grazer Unternehmens CTP Air Pollution Control GmbH in Betrieb genommen. Die Anlage entfernt über 95 % des anfallenden Lachgases aus der Abluft und leistet damit einen messbaren Beitrag zur betrieblichen Treibhausgasbilanz.

Lachgas (N2O) gehört zu den klimawirksamsten, aber in der Abwasserbehandlung lange vernachlässigten Emissionen. Mit einem Erderwärmungspotenzial, das 250- bis 300-mal höher liegt als jenes von CO2, und einer atmosphärischen Verweildauer von über 100 Jahren entfaltet es erhebliche Klimawirkung. Die gezielte Lachgasreduktion gewinnt mit zunehmend verbindlichen Klimazielen an Stellenwert.
Lachgasreduktion an der ARA Bern: Ausgangslage und Projektziel
In der biologischen Reinigungsstufe und der Faulwasserbehandlung der ARA Bern wurden jährlich über 10.000 Tonnen CO2-Äquivalente an Lachgas freigesetzt. Dieser Wert entsprach rund 80 % der gesamten Treibhausgasemissionen der Anlage. „Die Bedeutung der Reduktion von Lachgas aus Kläranlagen wird häufig unterschätzt, obwohl diese Emissionen – vorwiegend aus der biologischen Reinigungsstufe – einen erheblichen Anteil am CO2-Äquivalent ausmachen“, erklärt Gerd Rabenstein, COO von CTP Air Pollution Control GmbH.
Die eingesetzte RTO-Anlage wurde speziell auf die Anforderungen der ARA Bern ausgelegt. Zum Einsatz kommt eine Ausführung mit drei keramischen Wärmespeichern, die im Wechselbetrieb arbeiten und die in der Abluft enthaltene Wärme nahezu vollständig zurückgewinnen. RTO-Systeme lassen sich auf Parameter wie Reinigungsleistung, Energieeffizienz oder Druckverlust optimieren und eignen sich damit für unterschiedliche Betriebsbedingungen.

Thermische Oxidation als Verfahrensprinzip
In der Brennkammer der RTO-Anlage werden Lachgasmoleküle bei hohen Temperaturen in ihre Grundbestandteile Stickstoff und Sauerstoff zerlegt. Katalytische Alternativverfahren stoßen dabei an verfahrenstechnische Grenzen, da Katalysatoren vergiftet werden können und nur geringe Standzeiten erreichen. Die thermische Lösung von CTP Air Pollution Control arbeitet durch den Einsatz regenerativer Wärmetauscher energieeffizient; bei Verwendung von Biogas als Brennstoff ist auch ein klimaneutraler Betrieb möglich.
Die Wirksamkeit der Technologie wurde von unabhängiger Seite bestätigt: Die Schweizer Stiftung Klimaschutz und CO2-Kompensation KliK, die mehrere Projekte zur Lachgasreduktion in Kläranlagen fördert, hat die RTO-Anlage der ARA Bern als vorbildliches Beispiel gewürdigt. „Das zeigt, dass unsere Technologie sowohl in der Praxis als auch auf institutioneller Ebene anerkannt wird“, so Rabenstein.
DeNitroBox: Kompaktlösung für kleinere Abluftströme
Neben Großanlagen bietet CTP Air Pollution Control auch eine skalierbare Lösung für Betreiber mit geringeren Abluftmengen: die DeNitroBox. Die Containeranlage im 20-Fuß-Format ermöglicht eine N2O-Reduktion von 90 % bei minimalem Energieverbrauch, ist förderfähig und kann direkt vor Ort in Betrieb genommen werden.

Länder wie die Schweiz und Dänemark haben bereits erste regulatorische Vorgaben zur N2O-Reduktion eingeführt. CTP beobachtet nach eigenen Angaben eine zunehmende Marktdynamik und positioniert sich als Technologieanbieter mit langjähriger Erfahrung in diesem Bereich. Die RTO-Inbetriebnahme in Bern steht exemplarisch für einen breiteren Trend: Kläranlagen können durch gezielte Emissionsbehandlung aktiv zur Erreichung von Klimazielen beitragen.
Interessierte Fachbesucher können die Technologie von CTP Air Pollution Control auf der IFAT 2026 in München in Halle A4, Stand 138, besichtigen und sich anhand mehrerer Best-Practice-Beispiele informieren.


