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Lebensmitteltaugliches mrPP aus dem Gelben Sack

18.06.2026

Interzero stellt am neuen Standort in Dessau mechanisch recyceltes Polypropylen (mrPP) für kontaktsensitive Anwendungen wie Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen her. Das Material gewinnt der europaweit tätige Kreislaufwirtschaftsdienstleister aus dem Polypropylen-Anteil des Gelben Sack.

Die neue Pilotanlage in Dessau produziert zunächst 5.000 Tonnen mrPP-Granulat im Jahr. | Foto: Interzero
Die neue Pilotanlage in Dessau produziert zunächst 5.000 Tonnen mrPP-Granulat im Jahr. | Foto: Interzero

Hintergrund ist die europäische Verpackungsverordnung PPWR, die den Einsatz von Recyclingrohstoffen in Verpackungen künftig verbindlich vorschreibt. Rezyklate für kontaktsensitive Produkte sind am Markt bisher kaum verfügbar, weshalb Interzero mit dem mechanischen Aufbereitungsverfahren eine Lösung für diesen Bedarf schaffen will.

Mechanische Aufbereitung für kontaktsensitive Anwendungen

Der Feedstock für die Produktion stammt aus den unternehmenseigenen LVP-Sortieranlagen und damit aus dem Polypropylen-Wertstoffstrom des Gelben Sacks. Am Standort durchlaufen die angelieferten Wertstoffballen mehrere Verarbeitungsschritte, bei denen sie zerkleinert, gewaschen und genau nachsortiert werden. Aus den so gewonnenen Flakes entstehen hochwertige Rezyklate, die notwendige Dekontamination erreicht Interzero gemeinsam mit einem Partner vor Ort. Das Endprodukt ist ein mrPP, das auch für Anwendungen mit hohen Anforderungen geeignet ist.

Mehr als fünf Jahre hat das Ingenieursteam um Thomas Herkert, Segmentleitung Sorting & Processing bei Interzero, an dem Sortier- und Recyclingprozess für den Polypropylen-Wertstoffstrom gearbeitet. Die Produktentwicklung war dabei auf besonders sensible Einsatzbereiche ausgerichtet. Thomas Herkert beschreibt das Ziel: „Wir haben uns in der Produktentwicklung darauf fokussiert, einen Recyclingrohstoff zu schaffen, der für den Einsatz in der Heißabfüllung, für Mikrowellenprodukte oder für Lebensmittel mit hohem Fett- oder Säureanteil geeignet ist.“

Investition in einem angespannten Recyclingmarkt

Das mechanische Recycling von Rezyklaten für kontaktsensitive Anwendungen erfordert erhebliche Investitionen in Sortierung und Aufbereitung. Zugleich steht die Recyclingbranche durch hohe Energiekosten, schwankende Preise und eine derzeit gedämpfte Nachfrage nach Rezyklaten unter Druck.

Jan Kroker, CEO von Interzero, begründet die Investition: „Mit unserem neuen Standort für die Herstellung von Rezyklaten, die für kontaktsensitive Anwendungen geeignet sind, investiert Interzero, trotz des aktuell schwierigen Marktumfelds, weiterhin in das mechanische Recycling für den Bedarf von morgen. Mit diesem Schritt zeigen wir, wie leistungsfähig die Kreislaufwirtschaft sein kann, und bekennen uns klar zu einer Rohstoffsouveränität Europas.“

Skalierung der mrPP-Produktion und die Vorgaben der PPWR

Die erste Anlage ist auf eine Produktionskapazität von 5.000 Tonnen mrPP ausgelegt und noch im Bau. Die Tests rund um den Sortier- und Recyclingprozess sowie erste Versuche zum Einsatz des Materials in Lebensmittelverpackungen sind nach Angaben des Unternehmens bereits erfolgreich abgeschlossen. Parallel leitet Interzero das Zulassungsverfahren bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein, das den Einsatz der Regranulate in den Bereichen food-grade, near-food-grade und cosmetic abdeckt.

Das Verfahren ist nach Angaben des Unternehmens gut skalierbar und steht für den mengenmäßig größten Anteil der Hartkunststoffe aus der Haushaltssammlung zur Verfügung. Laut einer Verpackungsstudie der Hochschule Pforzheim aus dem Jahr 2024 entfallen in Deutschland rund elf Prozent der Kunststoffverpackungen im Gelben Sack und in der Gelben Tonne auf PP. Die PPWR gibt den regulatorischen Rahmen vor. Ab 2030 müssen Kunststoffverpackungen für Lebensmittel oder Kosmetik, die nicht aus PET bestehen, mindestens zehn Prozent Post-Consumer-Rezyklat enthalten, ab 2040 sind es 25 Prozent.

Kroker verweist auf die regulatorischen Anforderungen: „Durch die PPWR erhöht sich der Druck, Regularien zu adaptieren. Eine starke europäische Kreislaufwirtschaft braucht jetzt Handlungsspielraum. Am Ende zählt, wie sicher und einsatzfähig das Produkt ist, unabhängig vom Feedstock.“ Zu den eingesetzten Technologien ergänzt er: „Um die Ziele der PPWR zu erreichen, braucht es ein Zusammenspiel starker Technologien. Für das PP-Recycling bedeutet das, mechanisches und chemisches Recycling komplementär zu nutzen, um möglichst viele Wertstoffe im Kreislauf zu führen. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um das technologische Know-how auch wirklich nutzbar zu machen.“

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