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Mehrwegbecher aus Recyclingmaterial beim ESC 2026

07.05.2026

Zum 70. Jubiläum des Eurovision Song Contest kommen in Wien 100.000 Mehrwegbecher zum Einsatz, die vollständig aus Material aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne hergestellt wurden. Entwickelt wurde das Projekt von der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) gemeinsam mit OMV, Borouge International und Greiner Packaging – sämtliche Produktionsschritte von der Sammlung bis zur Fertigung finden in Österreich statt.

ESC 2026: Erstmals Mehrwegbecher aus 100 % Recyclingmaterial im Einsatz. v.l.n.r.: Shanila Baseley (Vice President Sales bei Borealis, Teil von Borouge International), Michael Krön (Executive Producer Eurovision Song Contest 2026), Harald Hauke (ARA Vorstandssprecher) und Beatrix Praeceptor (Greiner Packaging CEO). | Foto: ORF / Roman Zach-Kiesling
ESC 2026: Erstmals Mehrwegbecher aus 100 % Recyclingmaterial im Einsatz. v.l.n.r.: Shanila Baseley (Vice President Sales bei Borealis, Teil von Borouge International), Michael Krön (Executive Producer Eurovision Song Contest 2026), Harald Hauke (ARA Vorstandssprecher) und Beatrix Praeceptor (Greiner Packaging CEO). | Foto: ORF / Roman Zach-Kiesling

Das Vorhaben steht für eine lückenlose Wertschöpfungskette: Das gesammelte Kunststoffmaterial wird sortiert, chemisch recycelt, zu Granulat in Lebensmittelqualität veredelt und schließlich zu langlebigen, vollständig recycelbaren Bechern geformt. Durch den Einsatz der 100.000 Becher aus Kunststoffrezyklat werden rund 5 Tonnen natürlicher Rohstoffe eingespart.

UPCYCLE-Verfahren erschließt bisher nicht recycelbare Kunststofffraktionen

Das von der ARA entwickelte und patentierte Verfahren UPCYCLE ist die technische Grundlage des Projekts. Es ermöglicht die Verwertung von Kunststoffsortierresten, die aufgrund geringer Größe oder heterogener chemischer Zusammensetzung bislang ausschließlich thermisch genutzt werden konnten. Das gesammelte Material wird zunächst in der Hightech-Sortieranlage TriPlast in Oberösterreich aufbereitet und anschließend zu Kunststoff-Flakes verarbeitet.

Diese Flakes fließen in die OMV ReOil®-Anlage, wo daraus Pyrolyseöl gewonnen wird. In den Basischemieanlagen der OMV entsteht daraus zirkuläres Propylen, das Borouge International zu nachhaltigem Kunststoffgranulat weiterverarbeitet – mit lebensmitteltauglicher Qualität, die jener von Primärrohstoffen entspricht. Greiner Packaging fertigt im letzten Schritt daraus die Mehrwegbecher. Harald Hauke, ARA Vorstandssprecher, fasst das Ergebnis zusammen: „Früher konnten diese nur thermisch verwertet werden, heute erhalten sie ein zweites Leben als Mehrwegbecher, die nicht nur zu 100 % aus Recyclingmaterial bestehen, sondern auch absolut lebensmittelsicher sind.“

ARA, OMV, Borouge International und Greiner Packaging bringen mit den Mehrwegbechern aus 100 % Recyclingmaterial Kreislaufwirtschaft zum Eurovision Song Contest 2026. | Foto: ARA / Daniel Willinger
ARA, OMV, Borouge International und Greiner Packaging bringen mit den Mehrwegbechern aus 100 % Recyclingmaterial Kreislaufwirtschaft zum Eurovision Song Contest 2026. | Foto: ARA / Daniel Willinger

Der gesamte Prozess basiert auf dem anerkannten und extern auditierten Massenbilanzansatz ISCC PLUS, nach dem die eingesetzten recycelten Rohstoffmengen dem Endprodukt zugerechnet werden. Die entsprechenden Zertifikate stellt TÜV SÜD Industrie Service GmbH München aus. Martijn van Koten, OMV Executive Vice President Fuels & Chemicals, beschreibt den Effekt auf die Wertschöpfungskette: „Durch die Umwandlung gebrauchter Kunststoffe in hochwertigen Rohstoff in Primärqualität vermeiden wir den Einsatz konventioneller Ressourcen und senken damit den CO₂-Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Shanila Baseley, Vice President Sales bei Borealis, Teil von Borouge International, verweist auf die Leistungsfähigkeit des eingesetzten Granulats: „Unser ‚Borcycle C‘-Portfolio an chemisch recycelten Kunststoffabfällen ermöglicht es, die Kunststoffe wieder in Anwendungen mit Lebensmittelkontakt wie diesen Trinkbechern einzusetzen: So erreichen wir Recycling bis hin zu den anspruchsvollsten Anwendungen, für die unsere Kunststoffe im Alltag genutzt werden.“

Einsatz der Mehrwegbecher beim ESC und Verwertung nach dem Event

Die 100.000 Mehrwegbecher kommen ausschließlich bei der Hauptveranstaltung und offiziellen Side-Events in Wien zum Einsatz und tragen zur Umsetzung als Green Event bei. Als Limited Edition verbinden sie ein markantes Außendesign mit einer Innenseite, die den österreichischen Kreislaufprozess vom Gelben Sack bis zum fertigen Becher illustriert – so beschreibt es Greiner Packaging CEO Beatrix Praeceptor: „Mit den ESC-Mehrwegbechern machen wir sichtbar, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert: hochwertig, innovativ und nachhaltig.“

Nach dem Event werden Becher in wiederverwendbarem Zustand an soziale Einrichtungen gespendet; beschädigte oder abgenutzte Exemplare werden recycelt und dem Materialkreislauf wieder zugeführt. Neben der Wiederverwendbarkeit leisten auch die kurzen Transportwege durch die ausschließlich österreichische Produktion einen Beitrag zur Abfallvermeidung im Vergleich zu Einwegprodukten.

Die exklusive Limited Edition verbindet ein markantes Außendesign mit einer Innenseite, die den österreichischen Closed-Loop-Prozess zeigt - vom Gelben Sack bis zum fertigen Becher. | Foto: ARA / Daniel Willinger
Die exklusive Limited Edition verbindet ein markantes Außendesign mit einer Innenseite, die den österreichischen Closed-Loop-Prozess zeigt – vom Gelben Sack bis zum fertigen Becher. | Foto: ARA / Daniel Willinger

Die Becher tragen zudem zur Bewusstseinsbildung unter den Eventbesucherinnen und -besuchern bei: Ein aufgedruckter QR-Code führt zu DigiDot, dem von der ARA initiierten digitalen Recycling-Guide, der in 25 Sprachen Orientierung zu Sammelstellen und korrekter Abfalltrennung bietet – während des Eurovision Song Contest und darüber hinaus. Michael Krön, Executive Producer Eurovision Song Contest 2026, ordnet das Projekt in den Gesamtanspruch der Veranstaltung ein: „Der Eurovision Song Contest 2026 in Wien soll nicht nur ein unvergessliches Musikereignis sein – sondern auch zeigen, dass ein Event dieser Größenordnung verantwortungsvoll als Green Event umgesetzt werden kann. Diese Mehrwegbecher sind für mich eines der schönsten Beispiele dafür: Eine Innovation aus Österreich, 100 % österreichisches Recyclingmaterial, direkt aus dem Gelben Sack in die Hände der Gäste aus aller Welt.“

Sammelinfrastruktur als Grundlage des österreichischen Kreislaufmodells

Die Sammelinfrastruktur, auf der das gesamte Projekt aufbaut, stellt die ARA bereit. Über 300.000 Gelbe Tonnen und rund 2,2 Millionen Haushalte, die an die Sammlung mit dem Gelben Sack angeschlossen sind, gewährleisten, dass gebrauchte Kunststoffverpackungen in ausreichender Menge und Qualität als Sekundärrohstoff zur Verfügung stehen. Hauke betont in diesem Zusammenhang, dass das ESC-Projekt zugleich veranschaulicht, warum korrekte Abfalltrennung durch die Bevölkerung Voraussetzung für hochwertiges Recycling ist: Nur Verpackungen, die ordnungsgemäß im Gelben Sack oder der Gelben Tonne gesammelt werden, können als Rohstoff für Produkte wie die ESC-Mehrwegbecher dienen.

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