
Einen vollelektrischen Wechselwagen und eine Push-Pull-Plattform für Flurförderzeuge stellt ROEMHELD auf der Fakuma 2026 in Friedrichshafen vor. Beide verkürzen die Rüstzeiten beim Werkzeugwechsel in der Kunststoffverarbeitung und erhöhen die Prozesssicherheit. Ergänzt wird der Auftritt durch das elektropermanente Magnetspannsystem R-MAG für die Kunststoffverarbeitung sowie durch mechanisch verriegelte Bogenspannelemente für Spritzgießmaschinen. Dazu kommt am Stand ein Überblick über das gesamte Programm für das Lagern, Transportieren, Wechseln und Spannen von Formen und Werkzeugen.
Elektrische Wagen und Plattformen erleichtern den Werkzeugwechsel
Der Werkzeug-Wechselwagen RWA 1000 elmo von ROEMHELD verbindet einen elektrischen Fahrantrieb mit elektrohydraulischem Heben und feiert auf der Fakuma seine Messepremiere. Nach Angaben des Unternehmens ist er der einzige Wagen am Markt, der beide Funktionen kombiniert, zum Preis vergleichbarer Modelle ohne elektrischen Antrieb. Der Namenszusatz „electric motion“ verweist darauf, dass Fahrantrieb und Hubfunktion vollelektrisch arbeiten. Ein akkubetriebener Motor bewegt den Wagen mit bis zu 4 km/h, die Doppelschere hebt Werkzeuge bis 1.000 kg auf Tischhöhen zwischen 620 und 1.485 mm.

Beim Werkzeugwechsel selbst wird der Wagen über eine Multifunktions-Fahrdeichsel mit stufenlosem Fahrschalter, Sicherheitspralltaster, Signalhorn und Not-Halt bedient. Werkzeuge lassen sich damit ohne körperliche Belastung aufnehmen, auf Einschubhöhe der Spritzgießmaschine bringen und dort exakt andocken. Der Rollentisch aus Edelstahl nimmt Werkzeuge mit Abmessungen bis 1.000 x 700 mm auf, mit seitlichem Überhang sind 1.000 x 900 mm möglich. Einstellbare Steck- und Seitenleisten sichern die Last gegen Verrutschen und Herunterfallen, eine Sicherheits-Andockleiste stellt die exakte Einschubhöhe her. Den Wechseltisch gibt es in fünf Ausführungen, unter anderem mit absenkbaren Rollen oder schwenkbarer Brücke.
Einen Ausblick auf die weitere Entwicklungsarbeit gibt eine neue Push-Pull-Plattform, die den Werkzeugwechsel beim Einsatz von Flurförderzeugen erleichtert. Sie wird an einen neuen oder vorhandenen Elektro-Gehhubwagen oder Stapler montiert, verfügt über einen eigenen elektrischen Antrieb und arbeitet unabhängig vom Fahrgerät. Eine Zug-Schub-Kette zieht das Werkzeug auf die Plattform und schiebt es anschließend in die Presse oder Spritzgießmaschine. Die Steuereinheit sitzt in der Plattform, optional lässt sie sich in das Hubgerät einbinden. Die erste Baugröße RWA 1600 elmo ist für Werkzeuge bis 1,6 t ausgelegt, größere Ausführungen bis 2 und 4 t sind geplant.

Spannkraftanzeige und Verriegelung sichern das Werkzeug in der Maschine
Für das Spannen in der Maschine zeigt ROEMHELD sein elektropermanentes Magnetspannsystem R-MAG. Es spannt Werkzeuge unterschiedlicher Größen und Geometrien in Sekunden vollautomatisch und verzugsfrei. Auch bei einem Stromausfall hält es die Werkzeuge sicher. Weil die homogene Magnetspannfläche die Spannkräfte gleichmäßig verteilt, kann auf eine Standardisierung der Werkzeuge verzichtet werden. Einsetzbar ist das System sowohl bei horizontalen als auch bei vertikalen Anwendungen.
Nach Herstellerangaben ist es bislang das einzige System am Markt mit Spannkraftanzeige für mehr Prozesssicherheit und mit auswechselbaren Magnetpolen, was die Wartung vereinfacht und Ausfallzeiten reduziert. Ein 8-Zoll-Farbdisplay mit Touch-Funktion sowie ein integriertes Fernwartungsmodul über VPN oder externen WiFi-Router runden das System ab. Standardmäßig sind die R-MAG-Systeme bei Plattenstärken von 55 Millimetern für Arbeitstemperaturen bis 150 °C ausgelegt, für kleine Maschinen ist auch eine Plattenstärke von nur 38 Millimetern erhältlich. Für Gummipressen und Druckgießmaschinen gibt es Varianten bis 230 °C, die Plattendicke beträgt dort mit integrierter Heizung 85 Millimeter. Projektiert und entwickelt werden alle Magnetspannsysteme kundenspezifisch mit einem Partner in Europa.

Seit Kurzem gehören doppeltwirkende Bogenspannelemente mit integriertem Verriegelungsbolzen für Spritzgießmaschinen zum Programm, erhältlich in sechs Ausführungen. Der Spann- und Lösedruck beträgt jeweils 200 bar, die Spannkraft liegt modellabhängig zwischen 50 und 450 kN, die maximal zulässige Prozesskraft bei 620 kN. Der bogenförmige Spannbolzen setzt auf dem geraden Spannrand auf, seine horizontal wirkende Kraft wird umgelenkt und trifft nahezu vertikal auf die Spannfläche.
Eine mechanische Verriegelung hält den Spannbolzen auch bei einem Druckabfall in Spannposition und sichert das Oberwerkzeug gegen Herabfallen. Optional meldet eine seitlich angekoppelte Positionskontrolle die Löse- und die Spannposition sowie ein Überfahren der Spannposition. Mit Positionskontrolle sind die Elemente bis 100 °C temperaturbeständig, ohne Kontrollmöglichkeit standardmäßig bis 160 °C und auf Anfrage bis 250 °C.
Vom Lagern bis zum Spannen am Stand in Halle A1
Über die Neuheiten hinaus zeigt ROEMHELD in Halle A1 an Stand A1-1223 das komplette Portfolio rund um den Werkzeugwechsel, vom Lagern und Transportieren bis zum Spannen von Formen und Werkzeugen. Zu sehen sind magnetische, hydraulische, elektromechanische und mechanische Spannsysteme ebenso wie Transportwagen und Automationslösungen. Besucher erhalten damit einen Überblick über Lösungen, die auf anwenderfreundliches, sicheres und effizientes Arbeiten in der Kunststoffverarbeitung ausgelegt sind.
Die Technologien und Produkte des Unternehmens kommen seit über 80 Jahren bei der Herstellung von Industriegütern und Waren für den Endverbraucher zum Einsatz, von Flugzeugen und Automobilen über Werkzeugmaschinen bis zu Gehäusen für Smartphones. Den Kern des wachsenden Portfolios bilden Spanntechnik-Lösungen für Werkstücke sowie für Werkzeuge in der Umformtechnik und der Kunststoffverarbeitung, ergänzt um Komponenten und Systeme der Montage- und Handhabungstechnik, der Antriebstechnik und der Automation sowie um Verriegelungen für Rotoren von Windenergieanlagen.
Der Ursprung des Unternehmens liegt in der 1707 gegründeten Gießerei Friedrichshütte, die heute noch zur ROEMHELD Gruppe gehört und zu den ältesten aktiven Industrieunternehmen in Deutschland zählt. Die inhabergeführte Unternehmensgruppe beschäftigt an den drei Standorten Laubach, Wilnsdorf und Rankweil in Österreich etwa 500 Mitarbeiter und ist in über 50 Ländern mit Service- und Vertriebsgesellschaften vertreten. Mit Kunden insbesondere aus dem Maschinenbau sowie der Automobil-, der Luftfahrt- und der Agrarindustrie erzielt sie einen Jahresumsatz von mehr als 90 Millionen Euro.


