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Sechs Nominierte für den Innovation Award stehen fest

22.06.2026

Das nova-Institut hat für seine Renewable Materials Conference vom 22. bis 24. September 2026 in Siegburg sechs Nominierte für den Innovation Award bekanntgegeben und zugleich das finale Programm sowie eine Podiumsdiskussion mit hochrangiger Besetzung vorgestellt. Die Veranstaltung steht unter dem Leitthema Defossilisierung durch Innovation und bildet die gesamte Wertschöpfungskette der erneuerbaren Kohlenstoffwirtschaft ab.

Sechs Nominierte für den Innovation Award stehen für die Renewable Materials Conference 2026 fest. | Bild: nova-Institute GmbH
Sechs Nominierte für den Innovation Award stehen für die Renewable Materials Conference 2026 fest. | Bild: nova-Institute GmbH

Welches der sechs nominierten Materialien als erneuerbares Material des Jahres ausgezeichnet wird, entscheidet das Publikum während der Konferenz. Die Vorauswahl traf der Beirat der Konferenz, gesponsert wird der Innovation Award von Covestro.

Defossilisierung durch Innovation prägt die Konferenz in Siegburg

Die Renewable Materials Conference versteht sich als internationaler Treffpunkt für Innovatoren, Unternehmen und Marken, Investoren sowie politische Entscheidungsträger, die gemeinsam an der erneuerbaren Kohlenstoffwirtschaft arbeiten. Veranstalter nova-Institut erwartet wie in den Vorjahren 400 bis 500 Teilnehmer aus aller Welt. Die Konferenz deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab, von alternativen Kohlenstoff-Rohstoffen über die chemische Industrie, den Materialsektor und die Produkthersteller bis zu Markeninhabern, Investoren und der Politik.

Das Leitthema „Defossilisation through innovation“ gliedert sich in die Defossilisierung der chemischen Industrie, fossilfreie Kunststoffe, Rahmenbedingungen für erneuerbaren Kohlenstoff und den biologischen Abbau. Ergänzt werden die Sessions durch die Podiumsdiskussion „Quadruple system shock as catalysts for industrial transformation“. Die vorangegangene Ausgabe zählte 410 Teilnehmer aus 29 Ländern, 90 Prozent davon aus der Industrie. Für 2026 sind 75 Präsentationen, 20 Podiumsdiskussionen, mehr als 16 Workshops und eine zweistöckige Ausstellung vorgesehen, die Raum zum Networking bieten.

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Die sechs Finalisten bewerben für den Innovation Award

Den Innovation Award „Renewable Material of the Year 2026“ schreibt die Konferenz gemeinsam mit dem Sponsor Covestro aus. Aus einer großen Zahl von Einreichungen wählte der Beirat sechs Materialien aus, über deren Sieger das Publikum vor Ort abstimmt. Um den Innovation Award bewerben sich Werkstoffe aus dem gesamten Spektrum des erneuerbaren Kohlenstoffs. Zwei der Nominierten gewinnen ihren Kohlenstoff aus abgeschiedenem CO₂.

Far Eastern New Century (TW) tritt mit TOPGREEN® AirTek PU an, einem CO₂-basierten Polyurethan ohne Isocyanate (NIPU). Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um das weltweit erste kommerziell realisierte nicht-isocyanathaltige Polyurethan dieser Art, das abgeschiedenes CO₂ in Elastomere überführt und dabei auf toxisches Phosgen sowie Isocyanate verzichtet. Über die Carbon-Capture-Technologie der Far Eastern Group entstehen Zwischenprodukte mit einem CO₂-Anteil von über 50 Prozent, die zu NIPU-Elastomeren polymerisiert werden. Verglichen mit herkömmlichem TPU sinken die Emissionen um 58 Prozent. Das Material eignet sich für Membranen, Schuhmaterialien, elastische Fasern und Kunstleder, ist durch 22 Patente geschützt und wurde unter anderem als ISPO Textrends „Best Product“ sowie mit dem zweiten Platz beim Innovation Award „Best CO₂ Utilisation 2025“ ausgezeichnet.

Viridi (UK) bewirbt sich mit Vireya™, einem anionischen Tensid, das den Angaben zufolge als weltweit erstes seiner Art aus upgecyceltem CO₂ hergestellt wird. Anionische Tenside sind in Haushalts- und Körperpflegeprodukten verbreitet, verursachen jedoch einen hohen CO₂-Fußabdruck. Mit einem CO₂-Anteil von bis zu 33 Prozent weist Vireya™ einen Product Carbon Footprint aus, der bis zu 70 Prozent unter dem etablierter Produkte liegt. Da das Tensid ohne Rohstoffe aus Ölpalmen auskommt, unterstützt es die Einhaltung der EU-Entwaldungsverordnung und bietet zugleich hohe Hautverträglichkeit. Möglich wird dies durch eine proprietäre Katalysatortechnologie von Viridi, die CO₂ als Kohlenstoffrohstoff in Polymeren nutzbar macht, sich in bestehenden Chemieanlagen skalieren lässt sowie wiederverwendbar und recycelbar ist. Die Tenside werden derzeit bei großen Herstellern entwickelt und von Markeninhabern getestet.

Biobasierte Fasern, Pigmente und Polymere im Bewerberfeld

AeoniQ Holding (CH) bringt mit AeoniQ™ ein zellulose-basiertes Endlosgarn ins Rennen, das als Alternative zu Polyester und Nylon entwickelt wurde und deren physikalische Eigenschaften beibehalten, ihre Nachteile aber vermeiden soll. Die Faser entsteht aus erneuerbaren Zellulosequellen wie Holzzellstoff, Textilabfällen oder ungenutzten landwirtschaftlichen Reststoffen, nutzt ausschließlich erneuerbare Energie und beruht auf einem zu 99,5 Prozent geschlossenen Kreislauf. Das Garn ist biologisch abbaubar und zersetzt sich nach Angaben des Unternehmens innerhalb von zwölf Wochen vollständig im Boden. Die Anwendungen reichen von Performance- und Modetextilien über Heimtextilien bis zu Automobil- und technischen Einsatzgebieten. Die erste industrielle Produktionsanlage soll im vierten Quartal 2026 in Portugal anlaufen.

UPM Biochemicals (DE/FI) ist mit Circular Renewable Black™ vertreten, einem schwarzen Pigment aus erneuerbarem Lignin. Schwarze Kunststoffverpackungen lassen sich bislang schwer recyceln, weil Rußpigmente die Nah-Infrarot-Erkennung blockieren und die Verpackungen für Sortiersysteme unsichtbar machen. Das Pigment liefert den Angaben zufolge ein tiefes Schwarz, bleibt zugleich NIR-detektierbar und ist kohlenstoffnegativ, sodass schwarze Verpackungen recycelbar werden, ohne Einbußen bei Design oder Polymerleistung. Der Rohstoff stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und ist über FSC-, PEFC- sowie ISCC-PLUS-Zertifizierungen abgesichert. Das Produkt gehört zu den CO₂-negativen Lösungen, die UPM mit seiner 1,3 Milliarden Euro teuren Bioraffinerie in Leuna verbindet.

Kemira (FI) bewirbt sich mit KemAlpha®, einer erneuerbaren Polymertechnologie für die Abwasserbehandlung, die fossile organische Flockungsmittel im industriellen Maßstab ersetzen soll. Das Polymer wird aus Alpha-Glucan auf Basis erneuerbarer Zuckerrohstoffe gewonnen und beruht vollständig auf biogenem Kohlenstoff. Ladungsdichte, Molekulargewicht und Robustheit sind so ausgelegt, dass sich feine Partikel auch in anspruchsvollen kommunalen und industriellen Systemen wirksam entfernen lassen. KemAlpha wird flüssig und als Pulver angeboten, fügt sich in bestehende Anlagen ein und wird über ein Joint Venture von IFF und Kemira vermarktet. Im Vollmaßstab kam die Technologie bereits bei einem nordeuropäischen Molkereiproduzenten zum Einsatz.

Das Institute for Bioengineering of Catalonia (ES) komplettiert das Feld mit AquaChitin, einem Biomaterial auf Basis von unverändertem Chitosan, das aus Nebenprodukten der Krebstierverarbeitung und urbanen organischen Abfallströmen gewonnen wird. Anders als herkömmliche Kunststoffe schottet sich das Material nicht von der Umwelt ab, sondern nimmt Wasser in ein dynamisches, nickelvermitteltes Netzwerk auf und gibt es wieder ab, was die mechanische Festigkeit nach Angaben des Instituts erhöht statt verringert. So entsteht ein wasserstabiles, biologisch abbaubares Material für Folien, Behälter und Produkte in feuchten Umgebungen, das mittels wasserbasierter, abfallfreier Chemie mit Rückgewinnung des Nickels hergestellt wird. Weil die biomolekulare Identität erhalten bleibt, fügt sich AquaChitin ohne gesonderte Rückgewinnungsinfrastruktur in natürliche Kreisläufe ein.

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