Mit der Studie „Tooling in Austria 2026“ liegt zum zweiten Mal ein faktenbasiertes Nachschlagewerk vor, das die Bedeutung des österreichischen Werkzeugbaus für die heimische Industrie belegt. Die Analyse macht Trends und Entwicklungen der Branche erstmals vergleichbar und liefert den Unternehmen wichtige Benchmarks für die eigene Standortbestimmung.

Vorgestellt wurde die Untersuchung beim Online-Treffpunkt Werkzeugbau, der den Werkzeug- und Formenbau als tragende Säule der kunststoffverarbeitenden Fertigung in den Blick nimmt. Getragen wird dessen Stärkung vom Kunststoff-Cluster, der die Branche mit Vernetzung und neuen internationalen Kontakten unterstützt.
Qualifikation und Wertschöpfung prägen den heimischen Werkzeugbau
Österreich ist ein hochentwickelter Werkzeugbaustandort, wie die Studie bestätigt. 65 Prozent der Beschäftigten verfügen über eine abgeschlossene Lehre, mehr als 30 Prozent über einen Meister- oder Technikerabschluss, was einen europäischen Spitzenwert darstellt. Die Wertschöpfungstiefe von knapp 75 Prozent unterstreicht die hohe Kompetenz und Spezialisierung der Betriebe.
Den wirtschaftlichen Kern bildet der Bereich der Spritzgießwerkzeuge, der mit einem Produktionswert von 554 Millionen Euro das zentrale und technologisch anspruchsvollste Segment der Branche stellt. Der Werkzeug- und Formenbau schafft damit die Grundlage für die Serienfertigung nahezu aller kunststoffverarbeitenden Produkte, von der Mobilität über die Medizintechnik bis zu den Konsumgütern. Besonders bei maßkritischen Präzisionsbauteilen und komplexen Systemkomponenten ist das Know-how der österreichischen Unternehmen gefragt.
Kunststoff-Cluster baut internationale Vernetzung aus
Rund 100 der insgesamt 350 Partnerbetriebe des Kunststoff-Clusters verfügen über einen eigenen Werkzeug- und Formenbau, etwa 40 Prozent davon bieten ihre Leistungen auch extern an. Den Sektor will der Cluster gezielt weiterentwickeln. „Wir wollen diesen strategisch wichtigen Sektor weiter stärken, durch Wissenstransfer, Kooperationen, Vernetzung sowie Forschungs- und Innovationsprojekte. Die Ergebnisse der Studie liefern dafür eine wertvolle Grundlage“, betonen Kunststoff-Cluster-Manager Wolfgang Bohmayr vom Büro Linz und Martin Ramsl vom Büro St. Pölten.
Einen weiteren Schritt setzt der Kunststoff-Cluster mit der neuen Mitgliedschaft bei ISTMA Europe, dem internationalen Dachverband der Werkzeug- und Zerspanungsindustrie mit rund 30 Organisationen weltweit. Über den Beitritt baut der Cluster seine internationalen Kontakte aus und schafft zusätzliche Möglichkeiten für Kooperation und Wissensaustausch. Ziel ist es, die Unternehmen enger zu vernetzen und die Branche durch gemeinsame Aktivitäten resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen.
Daten aus Aachen und Forschung zu nachhaltigem Werkzeugbau
Die Ergebnisse beruhen auf Daten österreichischer Betriebe aus der weltweit größten Werkzeugbau-Datenbank des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen. Ergänzt wurden internationale Branchen- und Marktdaten sowie Expertenwissen aus Unternehmensbesuchen, Forschungsprojekten und einer österreichweiten Marktbefragung. Die Validierung der Resultate erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Kunststoff-Cluster, vorgestellt wurde die Studie am 19. Juni 2026 beim Online-Treffpunkt Werkzeugbau.
Im Rahmen der Veranstaltung präsentierten die Partner zudem die Ergebnisse des Projekts „SustainTool“. Darin gehen vier Forschungspartner gemeinsam mit 24 Unternehmen aus Österreich und Deutschland der Frage nach, wie sich der Werkzeugbau für den Kunststoffspritzguss nachhaltiger gestalten lässt.


