Mit einer neu entwickelten Thermoformpresse erhöht Wickert Maschinenbau die Produktivität bei der Fertigung von Flugzeugstrukturteilen aus Composite-Materialien um bis zu 80 Prozent. Die Anlage verbindet ein automatisiertes Bauteilhandling mit präziser Temperierung und abgestimmtem Pressprozess und ist darauf ausgelegt, hohe Stückzahlen unter konstanten Qualitätsanforderungen der Luftfahrtindustrie zu realisieren.

Die Thermoformpresse bildet sämtliche Prozessschritte von der Einbringung der vorkonfektionierten Zuschnitte über das gezielte Vorheizen bis hin zum Umformen und Entladen in einem integrierten Konzept ab. Ein Industrieroboter übernimmt dabei die Handhabung der heißen Bauteile, während eine kundenspezifisch konfigurierbare Steuerung Rezepturwechsel, Datalogging und die lückenlose Erfassung bauteilspezifischer Prozessdaten sicherstellt.
Integrierter Prozessablauf in der Thermoformpresse
Am Ein- und Ausgabeplatz werden die vorbereiteten Composite-Zuschnitte in Universal-Spannrahmen fixiert und in den Produktionsprozess eingeschleust, von wo aus ein Industrieroboter die Bauteile in einen doppelstöckig ausgeführten Infrarotofen transportiert. Innerhalb von zwei Minuten erreichen die Teile dort eine Verarbeitungstemperatur von bis zu 450 Grad Celsius, wobei ausschließlich die jeweilige Bauteilgeometrie gezielt erwärmt wird und über die gesamte Fläche eine homogene Temperaturverteilung von ±5 Grad Kelvin sichergestellt ist.
Unmittelbar nach dem Vorheizen erfolgt der Transfer zur Presse, wobei zwischen der Entnahme aus dem Ofen und dem Abschluss des Kraftaufbaus weniger als fünf Sekunden vergehen. Der eigentliche Umformvorgang nimmt rund eine Minute in Anspruch, bevor der Roboter das geformte Bauteil wieder entnimmt und zum Ein- und Ausgabeplatz zurückführt, wo es aus dem Spannrahmen gelöst und für die nächste Produktionsstufe vorbereitet wird. Durch die zwei Heizstationen des Ofens können parallel zwei Spannrahmen temperiert werden, sodass die Thermoformpresse kontinuierlich mit vorgewärmten Rohlingen beschickt wird und der gesteigerte Output realisiert werden kann. Wickert präsentiert die Anlage vom 10. bis 12. März 2026 auf der JEC in Paris in Halle 5 an Stand K 92.
Flexibles Handling und modulare Auslegung
Die Thermoformpresse ist auf die Verarbeitung unterschiedlich großer Bauteile ausgelegt, wobei die Universal-Spannrahmen Komponenten mit einer Seitenlänge von bis zu 1.100 Millimetern aufnehmen. Wickert hat sowohl die Rahmenkomponenten als auch die Greifer des Industrieroboters selbst entwickelt, um ein präzises, sicheres und wiederholgenaues Handling innerhalb der Anlage zu gewährleisten, während die mannlose Handhabung der erhitzten Teile das Bedienpersonal entlastet.
Für verkürzte Rüstzeiten sorgen Magnetspannplatten, mit denen Werkzeuge schnell fixiert werden können, wodurch sich Stillstandszeiten reduzieren lassen. Die Pressen sind modular aufgebaut und werden kundenindividuell mit Presskräften zwischen 20 und 100.000 kN konzipiert, sodass die Thermoformpresse an unterschiedliche Anforderungen bei der Fertigung von Flugzeugstrukturteilen angepasst werden kann.
Composite-Werkstoffe und dokumentierte Prozessführung
Ausgelegt ist die Thermoformpresse für zahlreiche Composite-Materialien, die im Flugzeugbau eingesetzt werden, darunter carbonfaserverstärkte Thermoplaste wie Polyphenylensulfid (PPS) und Polyetheretherketon (PEEK), deren Verarbeitung eine präzise Temperatur- und Kraftführung erfordert. Die Anlage unterstützt die reproduzierbare Umformung dieser Werkstoffe unter definierten Bedingungen und trägt damit zu einer gleichbleibenden Bauteilqualität bei.
Die kundenspezifisch konfigurierbare Steuerung ermöglicht nicht nur schnelle Rezepturwechsel, sondern übernimmt auch das Datalogging sowie die Erfassung sämtlicher bauteilspezifischer Prozessdaten, wodurch eine lückenlose Nachverfolgbarkeit gewährleistet ist und die Anforderungen der Luftfahrtindustrie erfüllt werden. „Die neue Pressentechnologie ermöglicht es, wechselnd große Bauteile effizient und wiederholgenau zu formen. Das spart nicht nur Zeit, sondern garantiert auch eine gleichbleibend hohe Produktqualität“, erklärt Steve Büchner, stellvertretender Marketingleiter bei Wickert Maschinenbau. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an einer vollständig automatisierten Ein- und Ausgabe sowie an einem Konzept, das es erlaubt, den Spannrahmen mit dem Bauteil in einem frei definierbaren Winkel in der Presse zu positionieren.
Über Wickert Maschinenbau
Die Wickert Maschinenbau GmbH mit Sitz in Landau/Pfalz entwickelt und fertigt komplexe, vollautomatische Anlagen mit integrierten hydraulischen Pressen, die modular aufgebaut und mit Presskräften zwischen 20 und 100.000 kN verfügbar sind. Die Systeme werden kundenspezifisch parametriert und zur Verarbeitung von Elastomeren, Composites, Kunststoffen und Pulvermaterialien eingesetzt, wobei Anwender aus der pharmazeutischen Industrie ebenso vertreten sind wie aus der Medizin-, Luft- und Raumfahrttechnik, der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie aus dem Fahrzeugbau, der E-Mobilität und aus Laboren und Forschungseinrichtungen. Wickert produziert ausschließlich in Landau/Pfalz und beliefert von dort Kunden in Europa, Amerika und Asien; im Jahr 2024 erwirtschafteten 200 Mitarbeitende einen Umsatz von rund 47 Mio. Euro.


