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USTP stellt Expertise zum Digitalen Produktpass bereit

07.08.2026

Das Institute for Innovation Systems der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten stellt produzierenden Unternehmen seine gebündelte Expertise zum Digitalen Produktpass zur Verfügung. Über mehrere Jahre hat das Institut in einer Grundlagenstudie und drei darauf aufbauenden Forschungsprojekten untersucht, wie sich das Instrument technisch, rechtlich, organisatorisch und wirtschaftlich in bestehende Abläufe einbinden lässt.

Digitale Produktpässe in der Praxis - USTP unterstützt Industrie mit Expertise und angewandter Forschung. | Bild: USTP
Digitale Produktpässe in der Praxis – USTP unterstützt Industrie mit Expertise und angewandter Forschung. | Bild: USTP

Mit dem Digitalen Produktpass verfolgt die Europäische Union das Ziel einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Das Instrument fasst Angaben zu Materialherkunft, Zusammensetzung sowie zu Reparatur- und Recyclingwegen zusammen und zieht für produzierende Unternehmen umfangreiche betriebliche Anpassungen nach sich, bei denen das Institut nun mit Forschungsergebnissen und Prototypen unterstützt.

Ein Sondierungsprojekt liefert die Voraussetzungen für den Digitalen Produktpass

Den Ausgangspunkt der Forschungsarbeit bildete das Sondierungsprojekt DPP4ALL, in dem das Institut erstmals umfassend die technischen, rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für Digitale Produktpässe analysierte. Grundlage waren Dokumentenanalysen, Experteninterviews, eine österreichweite Konsumentenbefragung sowie Fokusgruppen mit Vertretern der zentralen Stakeholdergruppen. Daraus leiteten die Forscher mögliche Anwendungsfelder ab, darunter die Energieverbrauchskennzeichnung von Produkten, die Textilrückverfolgung sowie die Baustoffkennzeichnung und die Materialdokumentation.

Der Digitale Produktpass soll den Zugang zu Produktinformationen und deren Austausch zwischen Herstellern, Behörden und Konsumenten erleichtern und bildet damit eine belastbare Datengrundlage für zirkuläre Wertschöpfung. Ergänzt wird er durch die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, die Erzeugnisse umweltfreundlicher und energieeffizienter machen soll. Vorläufig gilt er nur für Batterien, soll aber schrittweise auf weitere Produktgruppen wie Elektronik und Textilien ausgeweitet werden.

Unterschiedliche Anforderungen in Elektronik und Kunststoffverarbeitung

Wie unterschiedlich die Anforderungen an einen Digitalen Produktpass je nach Branche ausfallen, zeigen zwei laufende Projekte des Instituts. Im Projekt DPP4E entwickelt es einen Prototyp für die Elektronikbranche und erprobt ihn unter praxisnahen Bedingungen anhand echter Daten aus drei Produkttypen. Besonderes Augenmerk gilt kleinen und mittleren Unternehmen, die für die Umsetzung häufig nur über begrenzte technische und personelle Kapazitäten verfügen. Erprobt wird dabei eine flexible Dateninfrastruktur, die sowohl den rechtlichen Vorgaben als auch den technischen Möglichkeiten der einzelnen Betriebe gerecht werden soll. Am Konsortium sind mehrere Unternehmenspartner sowie die Universität für Weiterbildung Krems beteiligt, das Vorhaben läuft noch bis September 2026.

Für kunststofferzeugende und -verarbeitende Unternehmen geht das Projekt DPP4Plastics der Frage nach, welche Anforderungen ein Digitaler Produktpass an die Branche stellt. Neben neuen Dokumentationspflichten untersuchen die Forscher, wie sich der Schutz von Betriebsgeheimnissen wahren lässt und welche Rolle der Pass für eine zirkuläre Kunststoffwirtschaft spielen kann. Weil sich aus offengelegten Angaben zur Materialzusammensetzung Rückschlüsse auf Produkteigenschaften und Fertigungsverfahren ziehen lassen, kann die Dokumentation mit Gewährleistungs- und Geheimhaltungsinteressen in Konflikt geraten. Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit dem Transfercenter für Kunststofftechnik (TCKT) und der Rechtsanwaltskanzlei Höhne, In der Maur & Partner.

Vom Forschungsergebnis in die betriebliche Beratung

Wie sich die Daten aus einem Digitalen Produktpass wirtschaftlich nutzen lassen, untersucht das Institut im Projekt ECO-TCO gemeinsam mit Siemens. Ziel ist es, Produkte anhand von ESG-Kriterien und Kennzahlen zur Total Cost of Ownership zu vergleichen und zu optimieren, um regulatorische Anforderungen proaktiv zu erfüllen. Genaue Umweltproduktdeklarationen sollen dabei die Umweltwirkungen und Kosten eines Produkts vergleichbar machen, während effizientere Netzteile den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen verringern. Ob sich die Ergebnisse auf weitere Siemens-Produktlinien übertragen lassen, prüft das Konsortium ebenfalls. Das Projekt läuft bis März 2027.

Alle vier Projekte wurden von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert und gemeinsam mit Partnerunternehmen umgesetzt. Die dabei gewonnenen Ergebnisse fließen nun direkt in die Beratung und Unterstützung produzierender Unternehmen ein. „Der Digitale Produktpass ist kein fernes Regulierungsprojekt mehr, er betrifft produzierende Unternehmen jetzt und konkret. Wir haben in den vergangenen Jahren systematisch Wissen aufgebaut, das wir nun gezielt einsetzen, um Unternehmen auf diesem Weg zu begleiten“, erklärt Tassilo Pellegrini, Leiter des Institute for Innovation Systems an der USTP.

Zwischenergebnisse, Demonstratoren und Prototypen aus den laufenden und abgeschlossenen Projekten stellt das Institut in einer öffentlich zugänglichen Online-Galerie bereit. Für ein weiteres Vorhaben sucht es gemeinsam mit dem Mechatronic Cluster der Wirtschaftsagentur ecoplus Unternehmen, die den Einsatz von Agentic AI für Abläufe rund um den Digitalen Produktpass erproben wollen.

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