Wien wird Gastgeber des dritten Ministertreffens zum Wasserstoff-Südkorridor. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer bringt dort nach Rom 2025 und Algier 2026 die Partner aus Algerien, Tunesien, Italien und Deutschland zusammen, die gemeinsam mit Österreich eine Pipeline für erneuerbaren Wasserstoff aus Nordafrika planen.

Leistbarer Wasserstoff soll vor allem der Stahl- und Chemieindustrie den Umbau zu CO2-neutraler Produktion wirtschaftlich ermöglichen. Parallel zu den neuen Lieferwegen fördert Österreich die heimische Erzeugung und hat erstmals Mittel für das Wasserstoff-Startnetz im Budget verankert.
Wasserstoff-Südkorridor soll Nordafrika mit Deutschland verbinden
Der Wasserstoff-Südkorridor soll als Pipelineverbindung erneuerbaren Wasserstoff aus Nordafrika über Italien und Österreich nach Deutschland transportieren. Unter dem Projektnamen „SoutH2 Corridor“ ist eine 3.300 Kilometer lange, ausschließlich für Wasserstoff bestimmte Leitung vorgesehen, die zu 65 Prozent aus umgewidmeten Bestandsleitungen bestehen soll. Getragen wird das Vorhaben von den Fernleitungsnetzbetreibern Snam, TAG, Gas Connect Austria und bayernets. Das Importpotenzial für grünen Wasserstoff wird mit 4 Millionen Tonnen pro Jahr angegeben, die Inbetriebnahme ist für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen.
Seit 2023 steht der Wasserstoff-Südkorridor auf der Liste der Projekte von gemeinsamem Interesse der EU, im Dezember 2025 wurde dieser Status bestätigt. Auf politischer Ebene stimmen Algerien, Tunesien, Italien, Österreich und Deutschland ihre Zusammenarbeit in Ministertreffen ab, die 2025 in Rom begonnen haben und 2026 in Algier fortgesetzt wurden. Wien ist nun der dritte Austragungsort.
In Algier befassten sich die Teilnehmer mit dem Zusammenspiel von Produktion, Transport und industrieller Nachfrage. Das Projekt „ALTEH2A“ untersucht die Wasserstofferzeugung in Algerien sowie den Transport nach Europa, während die „Offtaker Alliance“ die Nachfrage von Industrieunternehmen aus Österreich, Deutschland und Italien organisiert. Beide Initiativen sollen die Voraussetzungen für Investitionen und langfristige Lieferbeziehungen schaffen.
Erneuerbarer Wasserstoff für Ammoniak und Stahlerzeugung
In der Industrie dient Wasserstoff nicht nur als Energieträger, sondern auch als Rohstoff und Reaktionspartner. In der Chemie ist er ein wesentlicher Ausgangsstoff für Ammoniak, das wiederum für die Herstellung von Düngemitteln benötigt wird. Erneuerbarer Wasserstoff kann hier den bisher fossil erzeugten Wasserstoff ersetzen.
In der Stahlerzeugung muss dem Eisenerz Sauerstoff entzogen werden, um Eisen zu gewinnen. Neue Verfahren können dafür Wasserstoff anstelle fossiler Reduktionsmittel einsetzen, wobei bei der Reaktion Wasser statt CO2 entsteht. Über den Wasserstoff-Südkorridor soll leistbarer Wasserstoff nach Europa kommen und damit Industrie und Arbeitsplätze in Europa halten. „Wir wollen, dass unsere Industrie auch künftig in Österreich und Europa produziert. Angesichts hoher Energiepreise und großer Investitionen muss der Umbau zu CO2-neutraler Produktion wirtschaftlich möglich sein“, sagt Hattmannsdorfer.
Österreich fördert heimische Erzeugung und Wasserstoff-Startnetz
Für vier heimische Wasserstoffprojekte hat Österreich bereits rund 275 Millionen Euro zugesagt. Die Förderentscheidung fiel 2025, die Förderverträge sind inzwischen abgeschlossen. Für die nächste Förderrunde sind bis zu 200 Millionen Euro an nationalen Mitteln vorgesehen, die heimischen Projekten im Rahmen der europäischen Wasserstoffauktion zugutekommen sollen, deren Start für Dezember 2026 geplant ist.
Mit den erstmals im Budget verankerten Mitteln für das Wasserstoff-Startnetz unterstützt Österreich zudem den Aufbau der Infrastruktur. Dieses Netz soll künftig heimische Erzeugung und Importe mit den industriellen Abnehmern verbinden und damit die Grundlage für das österreichische Wasserstoffnetz bilden.


