Wie sich Advanced-Recycling-Technologien aus der Entwicklung in den industriellen Betrieb überführen lassen, steht bei der Advanced Recycling Conference am 17. und 18. November 2026 in Köln und online auf dem Programm. Das nova-Institut führt dort Vertreter aus Industrie, Technologieentwicklung, Forschung und Politik zusammen. Behandelt werden Verfahren für gemischte Kunststoffabfälle, Textilien und PVC.

Den Anlass liefern steigende Recyclingvorgaben der EU sowie der Druck auf die europäische Chemie- und Materialindustrie, Kohlenstoffkreisläufe zu schließen und die Rohstoffunabhängigkeit zu stärken. Entsprechend geht es neben den Verfahren selbst um Skalierung, Finanzierung und Investitionen. Mit knapp 300 Teilnehmern hat sich die Konferenz als europäischer Treffpunkt der Recycling- und Materialbranche etabliert.
Neue EU-Vorgaben erhöhen den Bedarf an recycelten Kunststoffen
Die Anforderungen an Recyclingquoten und Rezyklateinsatz verschärfen sich derzeit durch neue EU-Regelungen. Dazu zählt die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die für verschiedene Kunststoffverpackungen bis zum Jahr 2030 Mindestanteile von 10 bis 35 Prozent recycelter Post-Consumer-Kunststoffe vorschreibt. Bis 2040 soll dieser Mindestanteil kontinuierlich steigen.
Auch der Vorschlag zur Altfahrzeugverordnung könnte die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen deutlich erhöhen. Er sieht einen Mindestanteil von 25 Prozent recyceltem Kunststoff in Neufahrzeugen vor. Wird der Vorschlag verabschiedet, dürfte vor allem die Nachfrage nach recycelten Post-Consumer-Kunststoffen steigen.
Neben den Zielen der EU erhöhen die Selbstverpflichtungen der Chemieindustrie und der Marken sowie die Anforderungen der Kunden den Druck auf den Recyclingsektor. Große Anteile der Abfallströme bleiben bislang unrecycelt, während die Nachfrage nach erneuerbaren Rohstoffen für Chemikalien und Materialien steigt. Daraus ergibt sich die Frage, welche Technologie sich für welchen Abfallstrom eignet und wie ihre Umweltwirkung zu bewerten ist.
Um die Vorgaben zu erfüllen, sind innovative Recyclingtechnologien und der Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur erforderlich. In den Schwerpunkt-Sessions kommen deshalb neben den Schlüsseltechnologien auch regulatorische Auswirkungen, Marktdynamiken und Umweltaspekte zur Sprache.
Schwerpunkt-Sessions der Advanced Recycling Conference
Das Programm der Advanced Recycling Conference gliedert sich in Schwerpunkt-Sessions zu Schlüsseltechnologien. Abgedeckt wird die Bandbreite von physikalischen Verfahren auf Basis von Extrusion und Auflösung über chemische Verfahren wie Solvolyse und biochemische wie Enzymolyse bis zu thermochemischen Wegen mit Pyrolyse, thermischer Depolymerisation, Vergasung und Verbrennung mit Carbon Capture and Utilisation (CCU).
Eigene Sessions behandeln lösungsmittelbasierte Recyclingverfahren und Auflösungstechnologien, die Depolymerisation von PET und Si-O-basierten Polymeren sowie die Nachbehandlung und Aufbereitung von Pyrolyseöl. Hinzu kommen Nachhaltigkeit und Lebenszyklusanalysen sowie digitale Lösungen.
Neben dem Kunststoff- und Polymerrecycling stehen in diesem Jahr weitere Branchen auf dem Programm, darunter die Textilindustrie mit einer eigenen Session. Hinzu kommen Vorträge zu materialspezifischen Herausforderungen, etwa beim Recycling von PVC. Eine abschließende Session behandelt Regulatorik und Instrumente für durchgängige Zertifizierungen im Recyclingkreislauf.
Die Technologien entwickeln sich rasch, laufend treten neue Anbieter in den Markt ein, von Start-ups bis zu Großunternehmen. Anlagen werden gebaut oder hochskaliert, Kapazitäten erweitert und Partnerschaften geschlossen. Die Konferenz fasst diese Entwicklungen zusammen und gibt einen Überblick über die verfügbaren Recyclingtechnologien für die unterschiedlichen Abfallströme.
Auf der Marktseite geht es darum, wie Digitalisierung, Finanzierung und Investitionen die Skalierung und kommerzielle Umsetzung von Advanced-Recycling-Lösungen beschleunigen können. Internationale Experten bewerten Marktpotenziale und Umweltauswirkungen und ordnen die Folgen veränderter politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen ein.
Verteilt sind die Vorträge auf zwei Konferenztage. Am Nachmittag des ersten und am Vormittag des zweiten Tages laufen jeweils zwei Vortragsschienen parallel, jede Session schließt mit einer Podiumsdiskussion.
Fachausstellung und Poster-Session ergänzen das Vortragsprogramm
Den fachlichen Austausch ergänzen eine Fachausstellung und eine Poster-Session. Ausstellungsstände und Posterbeiträge lassen sich über die Konferenzwebsite buchen und einreichen. Technologieanbieter, Industrie, Forschung, Investoren und politische Entscheidungsträger tauschen auf der Advanced Recycling Conference praxisnahes Wissen aus und identifizieren neue Kooperationsmöglichkeiten.
Als Gold-Sponsor unterstützt Siemens die Konferenz des nova-Instituts, als Silber-Sponsoren BUSS ChemTech und Yncoris, als Bronze-Sponsor die Erema Group. Getragen wird die Veranstaltung zudem von Industrie- und Handelsverbänden, gemeinnützigen Organisationen, Forschungseinrichtungen und Interessengruppen, darunter BCNP Consultants, C.A.R.M.E.N., ChemCologne, Chemie-Cluster Bayern, CLIB, Fecc, die European Association of Chemical Distributors, IBB Netzwerk, kunststoffland.NRW, Plastics Europe, Renewable Carbon Initiative und VinylPlus.



