Anzeige

Buch macht Wiens Chemiegeschichte begehbar

27.08.2026

Mit „Alhier in Wienn“ legt Rudolf Werner Soukup, ehemaliger Leiter der GÖCH-Arbeitsgruppe „Chemiegeschichte“, ein Buch vor, das die Chemiegeschichte Wiens an konkreten Orten der Stadt nachvollziehbar macht. In 38 Kapiteln führt es von den frühesten Formen handwerklicher und stofflicher Verarbeitung über die Antike und die mittelalterliche Alchemie bis zu bedeutenden wissenschaftlichen Entdeckungen und zur Entstehung der modernen chemischen Industrie.

Autor Werner Soukup und GÖCH Geschäftsführer Walter Schneider bei der Ankündigung. | GÖCH / Petra Singer
Autor Werner Soukup und GÖCH Geschäftsführer Walter Schneider bei der Ankündigung. | GÖCH / Petra Singer

Viele der beschriebenen Schauplätze sind im heutigen Stadtbild nicht mehr unmittelbar erkennbar, weil Fabriken verschwunden und Produktionsstätten umgenutzt oder abgerissen worden sind. Dort, wo Gedenktafeln, historische Gebäude und ehemalige Produktionsstandorte erhalten geblieben sind, lassen sich die einzelnen Kapitel vor Ort nachgehen, wozu das Buch am Ende jedes Abschnitts Vorschläge für thematische Spaziergänge macht.

Färber, Apotheker und Unternehmer schreiben Chemiegeschichte

Die Entwicklung chemischen Wissens geht in der Darstellung nicht allein auf große Namen und spektakuläre Entdeckungen zurück. Soukup richtet den Blick ebenso auf Menschen und Tätigkeiten, die selten mit Chemie in Verbindung gebracht werden, obwohl sie wesentlich zur Entwicklung chemischen Wissens beitrugen. Färber, Glasmacher, Gerber und Metallhandwerker verfügten über überliefertes Erfahrungswissen im Umgang mit Stoffen und Materialien.

Ärzte, Apotheker und Naturwissenschaftler begannen später, diese Erfahrungen systematisch zu untersuchen und in neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu überführen. Unternehmer wiederum machten daraus neue Verfahren, Materialien und Produkte und trugen damit entscheidend zur Industrialisierung bei. Aus dieser Abfolge von handwerklicher Praxis, systematischer Untersuchung und industrieller Verwertung ergibt sich der Bogen, den die 38 Kapitel beschreiben.

Anzeigen

Der Hornsteinbergbau auf der Antonshöhe als Ausgangspunkt

Als frühester Schauplatz dient die Antonshöhe in Mauer, der älteste bekannte Bergbau auf Wiener Stadtgebiet. Bereits vor rund 6.500 Jahren wurde hier Hornstein abgebaut, archäologische Funde belegen Schächte mit einer Tiefe von bis zu zehn Metern. Das gewonnene Gestein diente zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen und macht deutlich, wie weit die gezielte Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen in Wien zurückreicht.

Von diesen frühen Formen des Umgangs mit natürlichen Materialien führt der Weg über die Römerzeit und die mittelalterliche Alchemie bis in die neuere Industriegeschichte und an die Schwelle des 20. Jahrhunderts. Archäologische Fundstätten, historische Produktionsanlagen, Universitäten, Apotheken und wissenschaftliche Einrichtungen stehen dabei neben den Menschen, deren Arbeiten die Entwicklung der Chemie beeinflussten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben in jedem Kapitel an ihr historisches Umfeld gebunden. Wie eng chemisches Wissen mit handwerklicher Praxis, medizinischen Bedürfnissen, wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war, wird auf diese Weise über die einzelnen Stationen der Chemiegeschichte nachvollziehbar.

Chemische Waffen und Umweltbelastungen bleiben nicht ausgespart

Auch die kritischen und ambivalenten Seiten der Chemiegeschichte werden behandelt. Die Entwicklung chemischer Verfahren brachte nicht nur neue Materialien, Medikamente und industrielle Produkte hervor, sondern hatte auch problematische Folgen. Thematisiert werden unter anderem die Produktion und Verwendung chemischer Waffen sowie die Auswirkungen industrieller Umweltbelastungen.

Gerade diese Kapitel machen deutlich, dass die Geschichte der Chemie immer auch eine Geschichte gesellschaftlicher Verantwortung und der Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen ist. Auf rund 330 Seiten und mit zahlreichen historischen Abbildungen entsteht so ein ungewöhnlicher Blick auf die Stadt, der die wissenschaftliche Entwicklung mit ihren gesellschaftlichen Voraussetzungen und Wirkungen zusammenführt.

Nachvollziehen lassen sich viele dieser Geschichten unmittelbar vor Ort, weil Gedenktafeln, historische Gebäude und ehemalige Produktionsstandorte bis heute Teil des Wiener Stadtbildes sind. Alle Kapitel enden deshalb mit Vorschlägen für thematische Spaziergänge, die den beschriebenen Stationen im Stadtgebiet folgen.

Präsentation bei den 21. Chemietagen in Krems

Die offizielle Präsentation von „Alhier in Wienn“ findet Ende September im Rahmen der von der GÖCH veranstalteten 21. Chemietage in Krems statt. Dort besteht auch die Möglichkeit, das Buch direkt beim Autor zu erwerben und signieren zu lassen.

Im Buchhandel ist der Titel mit dem Untertitel „Chemiegeschichtliche Spaziergänge durch Wien“ über den Verlag Buchschmiede als Softcover für 27 Euro und als Hardcover für 39 Euro erhältlich, die Softcover-Ausgabe unter der ISBN 978-3-99192-761-7, die Hardcover-Ausgabe unter der ISBN 978-3-99192-760-0. Da die Herstellung im Print-on-Demand-Verfahren erfolgt, ist mit einer Lieferzeit von etwa zwei bis drei Wochen zu rechnen. GÖCH-Mitglieder können das Buch, solange der Vorrat reicht, außerdem direkt in der GÖCH-Geschäftsstelle (Nibelungengasse 11/6, 1010 Wien) zu den üblichen Bürozeiten beziehen, wobei um kurze Vorankündigung per E-Mail oder telefonisch gebeten wird.

Anzeige

Die aktuelle Chemie

Anzeige

Anzeige