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Digitales Reinigungszertifikat für die Chemielogistik

18.09.2026

In der Chemielogistik beginnt die Erprobung eines digitalen Reinigungszertifikats, das Tankreinigungsanlagen, Speditionen, Verlader und Software-Anbieter ab sofort kostenfrei nutzen und in ihre Abläufe übernehmen können. Ausgestellt, gespeichert und geprüft wird der Nachweis elektronisch, die Weitergabe erfolgt über einen Link oder einen QR-Code.

Vor jeder Neubeladung müssen Tanks fachgerecht gereinigt werden, der Nachweis läuft künftig digital. | Foto: shutterstock
Vor jeder Neubeladung müssen Tanks fachgerecht gereinigt werden, der Nachweis läuft künftig digital. | Foto: shutterstock

Entwickelt haben die Anwendung das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, die Alfred Talke GmbH & Co. KG und die Spherity GmbH im Strukturwandelprojekt VERA. Sie zielt auf einen Vorgang, der bislang überwiegend über Papierdokumente läuft und dabei Medienbrüche, manuellen Verwaltungsaufwand und eine eingeschränkte Nachvollziehbarkeit in den logistischen Prozessketten erzeugt.

Reinigungszertifikat entsteht direkt nach der Tankinnenreinigung

Das Reinigungszertifikat entsteht unmittelbar nach Abschluss einer Tankinnenreinigung und steht anschließend allen Beteiligten des folgenden Transports digital zur Verfügung. Nötig ist die Reinigung vor jeder Neubeladung, weil die chemische Industrie höchste Anforderungen an die Sauberkeit von Tanks, Containern und Silofahrzeugen stellt. Fahrer rufen den Nachweis ab und zeigen ihn bei Bedarf vor, die Disposition gleicht ab, ob die erfolgte Reinigung den Anforderungen des nächsten Transportauftrags entspricht, und Kunden können die nächste Beladestelle vorab über die durchgeführte Reinigung informieren.

Damit verändert sich auch der Umgang mit den Dokumenten. Wo bisher PDF-Dateien per E-Mail verschickt wurden, genügt künftig ein Link oder ein QR-Code, über den stets die aktuelle Fassung erreichbar ist, und perspektivisch lässt sich der Nachweis mit elektronischen Rechnungen verknüpfen, sodass er bei Rückfragen oder Reklamationen sofort vorliegt.

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Nutzen ziehen daraus auch die Tankreinigungsanlagen selbst, deren aufwendige Papierarchive und manuelle Dokumentenverwaltung weitgehend entfallen. Ausgestellte Reinigungszertifikate bleiben digital verfügbar und lassen sich innerhalb von Sekunden recherchieren, einsehen oder bei Rückfragen aufrufen, was den Verwaltungsaufwand senkt, relevante Informationen entlang der Lieferkette schneller bereitstellt und die Zusammenarbeit zwischen Tankreinigungsanlagen, Logistikdienstleistern, Verladern und weiteren Partnern unterstützt.

Digitale Produktpässe sichern die Nachweise gegen Manipulation

Hinter dem Zertifikat steht die Technik digitaler Produktpässe. Jedes ausstellende Unternehmen bekommt eine eigene digitale Identität, jeder Nachweis eine eindeutige Kennung sowie eine kryptografische Signatur, die wie ein Siegel wirkt und schon die nachträgliche Änderung eines einzelnen Details sichtbar macht.

Zur Kontrolle genügt derselbe Link oder QR-Code, über den das Reinigungszertifikat auch weitergegeben wird. Eine gemeinsame Datenbank aller Marktteilnehmer gibt es dabei nicht, denn jedes Unternehmen verwaltet seine Nachweise und digitalen Identitäten selbst und behält so die Kontrolle über seine Daten.

Aufgesetzt ist das Verfahren auf offene Standards für digitale Identitäten und verifizierbare Nachweise, die auch für den künftigen EU Digital Product Passport vorgesehen sind. Als Basis dient die gleichnamige Produktpass-Plattform VERA der Spherity GmbH, weshalb die Lösung technologisch auf einen vollständig dezentralen Betrieb vorbereitet und nicht an einen einzelnen Anbieter gebunden ist.

Von der C-BANK-Anbindung zum Praxistest in den Betrieben

Für die Einführung ist die Anwendung sowohl als eigenständige Desktop-Lösung als auch als Bestandteil vorhandener Branchensoftware nutzbar, damit Tankreinigungsanlagen sie ohne Umbau ihrer bestehenden Abläufe einsetzen können. In Vorbereitung ist derzeit die Anbindung an die Software C-BANK des Ingenieurbüros Gellweiler Fischer (IGF), die in zahlreichen Tankinnenreinigungsanlagen im Einsatz ist.

Über diesen Weg erreicht das Reinigungszertifikat auch Betriebe, die ihre Dokumentation bereits über eine Branchensoftware abwickeln. Mit dem Abschluss der Entwicklungsarbeiten beginnt zugleich die Suche nach weiteren Tankreinigungsanlagen, Speditionen, Verladern und Software-Anbietern, die die Lösung im laufenden Betrieb erproben.

„Durch die Förderung im Rahmen des Strukturwandels war von Beginn an vorgesehen, die Projektergebnisse möglichst vielen Unternehmen zugänglich zu machen. Wir möchten deshalb weitere Anwender gewinnen und gemeinsam mit ihnen Erfahrungen sammeln, um die Lösung weiter auszubauen“, sagt Lisa Klug, Projektleiterin für VERA bei Fraunhofer FIT.

VERA steht für Verifiable Cleaning Documents und wird im Rahmen des Strukturwandels im Rheinischen Revier gefördert. Das Vorhaben verbindet Forschung, Softwareentwicklung und Chemielogistik, um verifizierbare Reinigungszertifikate für die Branche zu entwickeln.

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