Die Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (GPH) feiert 2026 ihr 50-jähriges Bestehen und erweitert ihre Arbeit von der Qualitätssicherung für Wärmedämmstoffe aus EPS auf die Kreislaufwirtschaft. Als Interessenvertretung der Hersteller und Rohstofflieferanten hat sie seit ihrer Gründung 1976 die Entwicklung der Wärmedämmung und der thermischen Gebäudesanierung in Österreich begleitet.

Seit 2024 können Verarbeiter saubere Verschnitte von Dämmplatten über das österreichweite Rückholsystem EPSolutely zur Wiederverwertung anmelden, sechs Industriepartner haben auf diesem Weg bereits mehr als 315.000 kg Material von Baustellen zurückgeholt. Als Aufgaben der kommenden Jahre nennt die GPH die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestands und die wirtschaftliche Aufbereitung verunreinigter Abfälle aus dem Rückbau.
EPSolutely verwertet sauberen Baustellenverschnitt zu neuen Dämmplatten
EPSolutely ist ein österreichweites Rückholsystem für saubere Verschnitte von Dämmplatten aus EPS, das aus einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Fraunhofer Austria hervorgegangen ist. Seit September 2024 erfassen Verarbeiter das auf Baustellen anfallende Material getrennt in eigenen Sammelsäcken und melden es über eine digitale Plattform zur Abholung an, wobei ein QR-Code auf dem Sack mit wenigen Klicks zur Anmeldung führt. Sammlung und Wiederaufbereitung übernehmen sechs Industriepartner, die aus den Resten wieder neue Dämmplatten herstellen.
Beteiligt sind die Austrotherm Österreich GmbH, die austyrol Dämmstoffe GmbH, die Flatz GmbH, die HIRSCH Porozell GmbH, die Steinbacher Dämmstoff GmbH und die swisspor Österreich GmbH. Gemeinsam haben die sechs Unternehmen bereits über 315.000 kg Verschnitt aus EPS von Baustellen geholt und in den Stoffkreislauf zurückgeführt. „Mit EPSolutely haben wir nun auch beim Recycling einen entscheidenden Schritt gesetzt“, betont Roland Hebbel, Obmann der GPH.
GPH begleitet EPS von der ersten Norm bis zur Umwelt-Produktdeklaration
Die Normung für Dämmstoffe aus EPS hat sich seit der ersten nationalen Norm grundlegend verändert. Diese Dämmstoffnorm aus dem Jahr 1967 umfasste sieben Seiten, zu dieser Zeit war die Wärmedämmung mit Styropor in Österreich noch vergleichsweise neu. Nach der Gründung der GPH 1976 folgten zwischen 1977 und 1980 die ersten Zulassungen für Wärmedämm-Verbundsysteme, 1981 ergänzte die Kennzeichnung „ÖNORM geprüft“ die bereits bestehende Fremdüberwachung. 2001 wurde die europäische Norm EN 13163 eingeführt, die heute auf rund 70 Seiten die Anforderungen an werkmäßig hergestellte EPS-Dämmstoffe regelt.
Zwischen 2004 und 2011 kamen Fortschritte bei den Brandprüfungen an Fassaden und bei den Brandschutzregelungen hinzu. 2010 beteiligte sich die GPH an den ersten europäischen Umwelt-Produktdeklarationen für EPS. Mit ihrer Arbeit von der Güteüberwachung bis zu den Recyclingkonzepten zählt die GPH für Geschäftsführer Clemens Demacsek „zu den Wegbereitern der modernen Wärmedämmung und thermischen Gebäudesanierung in Österreich“.
Als Interessenvertretung der Hersteller und Rohstofflieferanten setzt sich die GPH heute für Qualitätssicherung, die Weiterentwicklung von Wärmedämmlösungen sowie für Ressourcen- und Klimaschutz ein. Zu ihren Herstellermitgliedern zählen neben den sechs Partnern von EPSolutely die Karl Bachl GmbH, die EPS Industries GmbH und die FRAGMAT TIM d.o.o.
Gebäudesanierung und Rückbauabfälle stellen die nächsten Aufgaben
Neben dem Recycling sieht die GPH für die kommenden Jahre die thermische Sanierung des österreichischen Gebäudebestands als zentrale Aufgabe. Aus ihrer Sicht müssen die Gebäude energetisch ertüchtigt, der Bedarf an Heiz- und Kühlenergie gesenkt und Sanierungen wieder stärker vorangetrieben werden. Dafür braucht es leistungsfähige und wirtschaftliche Dämmstoffe ebenso wie verlässliche Rahmenbedingungen für Bauherren und Sanierungsbetriebe. „Die energetische Ertüchtigung unserer Gebäude ist aus Klimasicht die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Wir verfügen über hochqualitative und bewährte Dämmstoffe und das technische Know-how, um den Energieverbrauch im Gebäudebestand deutlich zu senken“, so Hebbel.
Beim Recycling arbeitet die GPH über EPSolutely hinaus seit Jahren an neuen Verfahren, unter anderem im europäischen Projekt PolyStyreneLoop. Zwischen 2021 und 2024 haben PolyStyreneLoop und EPSolutely die Kreislaufwirtschaft für EPS vorangebracht. Für verunreinigte Abfälle aus dem Gebäuderückbau wurden inzwischen Aufbereitungsverfahren erprobt. Offen ist, wie sich diese Lösungen in größerem Maßstab wirtschaftlich umsetzen lassen.
Der Schwerpunkt der GPH verschiebt sich damit nach 50 Jahren vom reinen Güteschutz zu einer Betrachtung des Dämmstoffs über seinen gesamten Lebenszyklus, von der Herstellung über den jahrzehntelangen Einsatz im Gebäude bis zur Rückgewinnung des Rohstoffs. „Jetzt gilt es, die Sanierung wieder in Schwung zu bringen und die Kreislaufwirtschaft zu etablieren“, sagt Hebbel.


