Drei vollelektrische Maschinenexponate im Live-Betrieb bestimmen den Auftritt der WITTMANN Gruppe auf der Fakuma 2026, die vom 12. bis 16. Oktober in Friedrichshafen stattfindet. In Halle B1 wird an konkreten Anwendungen sichtbar, wie sich Energieeffizienz mit Einsparungen bei Material, Zeit und Stellfläche verbindet, wenn vollelektrische Spritzgießmaschinen und automatisierte Prozesse ineinandergreifen. Damit steht die Frage im Zentrum, welcher Ausstattungsumfang für eine Anwendung tatsächlich erforderlich ist.

Die drei Exponate stehen für unterschiedliche Fertigungsaufgaben. Eine neue EcoPrimus produziert Schutzkappen für Insulinpens in einer automatisierten Fertigungszelle, eine MicroPower fertigt mikrofluidische Bauteile für die Point-of-Care-Diagnostik, und eine EcoPower verarbeitet gemeinsam mit dem Partner Nexus Elastomer Systems Flüssigsilikon zu Deckeln für Getränkegebinde.
Vollelektrische Antriebe bestimmen die Energieeffizienz
Den Ausgangspunkt aller drei Anwendungen bildet das vollelektrische Antriebskonzept, das unter dem Messemotto „Smart Choices, Smart Savings“ mit einem bewusst begrenzten Ausstattungsumfang zusammengeht. Die neue EcoPrimus ist für den Einkomponenten-Kompaktspritzguss hoher Stückzahlen ausgelegt, für den nur ein definierter Optionsumfang erforderlich ist. Der Namensteil Primus steht bei WITTMANN für diese Konzentration auf das Wesentliche bei hoher Material-, Energie- und Kosteneffizienz, ohne Abstriche bei Leistung, Qualität und Ersatzteilverfügbarkeit. Mit einer Schließkraft von 1000 kN erreicht die Maschine Einspritzgeschwindigkeiten von 200 mm/s und wird über eine Steuerung der aktuellen Generation B8X bedient.
Konstruktiv geht die EcoPrimus auf die langjährige Erfahrung mit der Baureihe EcoPower zurück, die auf der Messe selbst als drittes Exponat zu sehen ist. Beide Reihen stehen für Präzision, Wiederholgenauigkeit und Energieeffizienz und bringen die volle Kompatibilität mit Wittmann 4.0 mit. Die EcoPower erreicht hohe Einspritzgeschwindigkeiten, arbeitet mit einer sehr präzisen Regelung und viel Dynamik, während Servo-Direktantriebe und die Nutzung von Bremsenergie den Energieverbrauch auf ein Minimum reduzieren. Ihr modulares Design lässt Anpassungen an unterschiedliche Produktionsanforderungen zu, was sie für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Präzision, Effizienz und Sauberkeit qualifiziert.

Auf denselben Grundlagen arbeitet die MicroPower, die gezielt für den Spritzguss von Kleinst- und Mikroteilen mit Schussgewichten von 0,05 bis 4 Gramm konzipiert ist. Sie stellt die hochpräzise Abformung extrem feiner Strukturen bis in den Nanometerbereich sicher und braucht dafür kein spezielles Mikrogranulat, da sich alle Standardgranulate verarbeiten lassen. Damit deckt die vollelektrische Antriebstechnik auf der Fakuma eine Spannweite ab, die von der Massenfertigung kleiner Formteile über die Mikrofluidik bis zur Verarbeitung von Flüssigsilikon reicht.
Prozessführung entscheidet über Bauteilqualität und Materialeinsatz
Wie genau ein Formteil ausfällt und wie viel Material dafür aufgewendet wird, entscheidet sich in der Prozessführung. Bei der EcoPrimus übernimmt diese Aufgabe das digitale Assistenzsystem HiQ Packing, das die Schneckenbewegung am Umschaltpunkt und während der Nachdruckphase besonders exakt kontrolliert und so für eine ausgeglichene Druckverteilung sorgt. Die Kavitäten füllen sich gleichmäßig bis in die Randbereiche der Trennebene, was bei Mehrkavitätenwerkzeugen eine durchgehend hohe Bauteilqualität sichert. Auf der Messe zeigt sich das an der Produktion von Schutzkappen für Insulinpens in einem 8-fach-Werkzeug von Kistler, ergänzt um intelligente Assistenz für die vollautomatisierte Fertigung.

In der Mikrofluidik verschiebt sich der Maßstab. Bei einem Lab-on-a-Chip werden komplette Laborprozesse auf einem nur wenige Quadratzentimeter großen Chip integriert, etwa für die schnelle und mobile Point-of-Care-Diagnostik in der Notfallmedizin, wobei Probe und Diagnostikflüssigkeiten durch Kanäle von wenigen Mikrometern Durchmesser fließen. Am Musterbauteil aus transparentem Polypropylen messen diese Kanäle lediglich 0,04 mm, die Eckenradien liegen bei bis zu 0,005 mm. Über die fünf Messetage arbeitet die MicroPower 15/10 dafür mit 3D-gedruckten 2-fach-Werkzeugeinsätzen von NanoVoxel in einem Werkzeuggrundkasten der Firma Ernst Wittner. Materialsparend wirkt dabei die Bauweise der Maschine, denn der Einspritzkolben reicht bis zur Trennebene des Werkzeugs, wodurch sich das Massepolster auf ein Minimum reduziert und der Anguss deutlich kleiner ausfällt oder ganz entfällt. Der kurze Fließweg bei der Druckübertragung erhöht zugleich die Qualitätskonstanz.

Bei der Verarbeitung von Flüssigsilikon liegt der Hebel in der Materialzuführung. Gemeinsam mit Nexus Elastomer Systems zeigt WITTMANN am Nexus-Stand in Halle A6, Stand 6222, die Herstellung von Silikondeckeln zur Abdeckung von Getränkedosen, -flaschen und -bechern. Zum Einsatz kommen eine EcoPower 110/350 B8X in LSR-Ausführung mit einem 4-fach-Werkzeug sowie ein Linearroboter W918 von WITTMANN. Die Dosieranlage ServoMix X200 von Nexus ist in die Arbeitszelle integriert und verbindet als flexibel einsetzbare LSR-Dosieranlage hohe Durchsatzleistungen mit Präzision und Materialeffizienz.
Automatisierung verkürzt Wege und spart Stellfläche
Neben der Maschine selbst trägt die Automatisierung zur Gesamteffizienz einer Anwendung bei. Die Zellen der Baureihe FlexCell beruhen auf einem modularen, standardisierten Aufbau und bringen auf sehr kleinem Raum einen WITTMANN Linearroboter, ein Förderband und weitere frei wählbare Komponenten unter. Da sie direkt an die Spritzgießmaschine andocken und die Produktion bei offener Maschinenschutztür erlauben, rückt die Automatisierung nah an den Werkzeugbereich heran. Das verkürzt die Handlingzeiten und senkt die Investitionskosten, weil beim Roboter etwa eine kürzere Z-Achse ausreicht. Die Zellen sind mit Spritzgießmaschinen aller Marken kompatibel und lassen sich in bestehenden Produktionen nachrüsten.

In der auf der Fakuma gezeigten Ausführung FlexCell plus umschließt die Zelle ein vollautomatisiert arbeitendes Boxentransfersystem, das die Spritzgießteile direkt in Kisten, KLTs oder Kartons verpackt und damit eine über mehrere Stunden autonome Produktion ermöglicht. Die vom Roboter aus dem Werkzeug entnommenen Teile lassen sich ungeordnet oder nach einem definierten Stapelmuster ablegen, während der Messe übernimmt das ein Linearroboter Primus 116. Kennzeichnend für diese Variante ist, dass Boxentransfersystem und Schutzeinhausung eine feste Einheit bilden und sich als Ganzes zur Seite aufschieben lassen, wodurch der Werkzeugraum jederzeit frei zugänglich bleibt.

Wie weit sich eine komplette Fertigung verdichten lässt, führt die MicroPower vor, deren Maschinenkonzept auf lediglich zwei Quadratmetern Drehtisch, Peripherie, Automatisierung, Temperiergerät, Qualitätssicherung und weitere Prozesseinheiten vereint. Für anspruchsvolle Reinraumanwendungen lässt sich diese Produktionszelle einfach mit einer Laminar-Flow-Box kapseln. Kompakte Aufstellflächen prägen auch die Serienfertigung mit der EcoPrimus, die für die vollautomatisierte Produktion auf sehr kleiner Fläche ausgerüstet ist.
Integration von Maschine, Automatisierung und Peripherie
Hinter den drei Exponaten steht eine Unternehmensgruppe, die Spritzgießmaschinen, Roboter und Peripheriegeräte für die Verarbeitung unterschiedlichster plastifizierbarer Materialien herstellt. Die WITTMANN Gruppe hat ihren Hauptsitz in Wien und gliedert sich in die beiden Hauptgeschäftsbereiche WITTMANN BATTENFELD und WITTMANN. Zehn Produktionswerke in sieben Ländern und 35 Standorte der Vertriebsgesellschaften decken die wichtigen Industriemärkte ab. Während WITTMANN BATTENFELD die Maschinentechnik in modularer Bauweise verantwortet, umfasst das Produktprogramm von WITTMANN Roboter und Automatisierungsanlagen, Systeme zur Materialversorgung, Trockner, gravimetrische und volumetrische Dosiergeräte, Mühlen sowie Temperier- und Kühlgeräte.
Der Zusammenschluss der Bereiche unter einem Dach zielt auf die nahtlose Integration dieser Komponenten, wie sie Spritzgießverarbeiter in verstärktem Maß im Zusammenspiel von Verarbeitungsmaschine, Automatisierung und Peripherie nachfragen. Die Produkte sind auf die horizontale und vertikale Einbindung in eine Smart Factory ausgelegt und lassen sich untereinander zu einer intelligenten Produktionszelle verbinden. Im Sinne von Umweltschutz, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft arbeitet die Gruppe an Prozesstechnologie für hohe Energieeffizienz im Spritzgießprozess sowie an der Verarbeitung von Standardmaterialien und von Materialien mit hohem Anteil an Rezyklat und nachwachsenden Rohstoffen. Auf der Fakuma 2026 ist die WITTMANN Gruppe in Halle B1 an Stand 1204 vertreten.


