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Was den CCS-Hochlauf in der Industrie entscheidet

08.07.2026

Der Hochlauf von CCS in der Industrie entscheidet sich nicht allein an der Technik, sondern an verlässlichen Rahmenbedingungen. Damit die CO2-Abscheidung und -Speicherung einen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, braucht es neben einer funktionierenden Infrastruktur vor allem Planungssicherheit für die Industrie, betont Frederik Effenberger, Industry Manager Decarbonization bei Endress+Hauser.

Damit CCS die Dekarbonisierung der Industrie vorantreibt, braucht es mehr Planungssicherheit. | Foto: Endress+Hauser
Damit CCS die Dekarbonisierung der Industrie vorantreibt, braucht es mehr Planungssicherheit. | Foto: Endress+Hauser

Mit staatlicher Förderung kommt das Verfahren 2026 systematisch in der Industriepolitik zur Anwendung, vorrangig bei schwer vermeidbaren Prozessemissionen. Trotz eines neu geschaffenen gesetzlichen Rahmens bleibt die Umsetzung für viele Unternehmen jedoch schwer kalkulierbar, weil zentrale Kosten im Emissionshandel offen sind.

Unklare Kosten im Emissionshandel bremsen CCS-Projekte

Den rechtlichen Rahmen hat die deutsche Bundesregierung mit dem Kohlendioxid-Speicherung-und-Transport-Gesetz (KSpTG) gesetzt, das den grenzüberschreitenden CO2-Transport und die Offshore-Speicherung in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone regelt. Bis 2040 sollen auf diesem Weg 27 Millionen Tonnen CO2 unterirdisch gespeichert werden, ein Ziel, das sich ohne kalkulierbare Kosten kaum erreichen lässt. Trotz des geschaffenen Rahmens sieht sich die Industrie bei der Umsetzung weiter mit Unsicherheiten konfrontiert.

„Unternehmen berücksichtigen den Emissionshandel in ihren Kalkulationen und erwarten sich davon langfristig Wettbewerbsvorteile“, sagt Effenberger. Offen ist allerdings, wie sich zentrale Rahmenbedingungen entwickeln, etwa das Auslaufen der freien Zuteilung von Emissionszertifikaten. Solange diese Kosten unklar sind, bleiben Investitionen in die CO2-Abscheidung schwer kalkulierbar, und ohne verlässliche Vorgaben zögern viele Unternehmen, obwohl sich die Technologie wirtschaftlich lohnen kann.

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Wie stark die Investitionsbereitschaft von den Rahmenbedingungen abhängt, zeigt die Abfallverwertung. Müllverbrennungsanlagen sind bisher nicht in den EU-Emissionshandel integriert, sollen aber in den kommenden Jahren überführt werden, ohne dass Zeitpunkt und Ausgestaltung feststehen. Die Abscheidung könnte auch hier Emissionskosten senken, ist als Technologie jedoch teurer als die eingesparten Zertifikate. „Solange unklar ist, ob die Müllverwertung in den Emissionshandel mit einbezogen wird, liegen viele CCS-Projekte auf Eis“, sagt Effenberger.

Der CO2-Transport braucht ein paralleles Pipeline-Netz

Eine flächendeckende Nutzung der Technologie setzt eine ausgebaute Infrastruktur voraus. „Wenn Unternehmen Carbon Capture umsetzen, stellt sich die Frage, wohin mit dem CO2 und wie es sicher transportiert werden kann“, sagt Effenberger. Damit geplante Abscheideanlagen ohne Verzögerung in Betrieb gehen können, muss das CO2-Pipeline-Netz parallel ausgebaut werden, was für die Projektplanung zu einem zentralen Faktor wird. Bis der Ausbau abgeschlossen ist, stellt der Transport auf der Schiene oder per Schiff eine brauchbare Alternative dar.

Unabhängig vom gewählten Mittel kommt der Messtechnik beim CO2-Transport eine entscheidende Rolle zu, weil sich der physikalische Zustand des Stoffes verändert. In der Atmosphäre liegt CO2 gasförmig vor, unter Druck verflüssigt es sich, weshalb es im Kesselwagen auf der Schiene verflüssigt befördert wird. „In Pipelines befindet sich CO2 im überkritischen Zustand“, sagt Effenberger. „In diesem Stadium füllt CO2 die gesamte Pipeline aus wie ein Gas. Dabei weist es eine Viskosität auf, die der eines Gases ähnelt, besitzt aber gleichzeitig eher die Dichte einer Flüssigkeit.“ Weil sich die physikalischen Eigenschaften an diesem Punkt sehr rasch ändern, müssen Temperatur und Druck beim Transport sorgfältig kontrolliert werden.

Frederik Effenberger, Industry Manager Decarbonization bei Endress+Hauser. | Foto: Endress+Hauser
Frederik Effenberger, Industry Manager Decarbonization bei Endress+Hauser. | Foto: Endress+Hauser

Für den weiteren Verlauf ist daher das Zusammenspiel aus Regulierung und Infrastruktur entscheidend. „Der Hochlauf des Verfahrens hängt maßgeblich von regulatorischer Sicherheit und infrastrukturellen Voraussetzungen ab. Nur wenn diese Aspekte ineinandergreifen, wird die Technologie flächendeckend eingesetzt werden“, sagt Effenberger.

Präzise Messdaten an Abscheidung und Speicherung

An jeder Stufe der Wertschöpfung sind CCS-Projekte auf präzise Messdaten angewiesen. Bevor CO2 in die Luft gelangt, lässt es sich aus Abgasen herausfiltern oder direkt aus der Umgebungsluft einfangen. In beiden Fällen müssen Verunreinigungen und nicht kondensierbare Gase entfernt sowie die CO2-Konzentration und die Temperatur exakt bestimmt werden, damit die ersten Verfahrensschritte sicher ablaufen. Anschließend wird das abgeschiedene CO2 aufbereitet und von der Restfeuchte befreit, die andernfalls Korrosion, Kondensation oder Eisbildung begünstigt oder Leckagen verursacht.

Gespeichert wird CO2 an Land unter der Erde oder unter dem Meeresboden, wo es in etwa zwei Kilometer Tiefe von der Atmosphäre getrennt bleibt. Auch in dieser Phase bleibt die kontinuierliche Überwachung mit präziser Messtechnik notwendig, um Leckagen zu verhindern und Umweltrisiken früh zu erkennen. „Der gesamte Prozess von CCS-Projekten hängt von kontinuierlich präzisen Messdaten ab“, so Effenberger. „Nur so kann der sichere und effiziente Ablauf der Verfahren sichergestellt werden.“

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