Die International Society for Pharmaceutical Engineering (ISPE) hat den Wiener Produktionsstandort von Takeda in der Kategorie „Social Impact – Sustainability Efforts“ mit dem Facility of the Year Award 2026 ausgezeichnet. Prämiert wurde das Projekt AHEAD (Advanced Heat Pump Demonstrator), in dem eine Wärmepumpe den für die Arzneimittelproduktion benötigten Hochdruckdampf mit erneuerbarem Strom erzeugt.

Die Anlage hat das Potenzial, die Treibhausgasemissionen an einem der Wiener Standorte von Takeda um bis zu 80 Prozent zu senken. Mit der Auszeichnung berücksichtigt die ISPE auch, dass das Unternehmen die Erkenntnisse aus dem Projekt anderen Unternehmen und Industrien zur Verfügung stellt, damit diese Möglichkeiten zur Dekarbonisierung industrieller Wärme prüfen können.
Wärmepumpe ersetzt im Projekt AHEAD fossile Dampfkessel
Die Wärmepumpe erzeugt Hochdruckdampf mit 11 bar und über 200 °C ausschließlich mit erneuerbarem Strom und natürlichen Kältemitteln. Dampf auf diesem Temperaturniveau ist für die GMP-konforme Pharmaproduktion unverzichtbar. Im Projekt AHEAD ersetzt sie am Wiener Standort konventionelle, mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kessel.
Als Wärmequelle nutzt die Anlage Abwärme aus den bestehenden Kälteanlagen. Auf diese Weise liefert sie mehr als sieben Monate im Jahr CO₂-freien Dampf. Seit der Fertigstellung im September 2025 ist das System nicht als Pilotanlage, sondern als vollwertige Versorgungsanlage im industriellen Maßstab in Betrieb. Installiert ist es am Wiener Produktionsstandort für plasmabasierte Therapien, nach Angaben von Takeda dem weltweit größten Produktionsstandort des Unternehmens.
Das Potenzial zur Senkung der Emissionen um bis zu 80 Prozent entspricht rund 1.600 Tonnen CO₂ pro Jahr. Die Werte beruhen auf Messungen externer Forschungspartner und auf Simulationen der prognostizierten Systemleistung. Damit die Anlage optimiert und zuverlässig arbeitet und sich auf andere Standorte und Industrien übertragen lässt, wurden Modellierung, Simulation und Echtzeitüberwachung nach den Prinzipien von Pharma 4.0 entwickelt.

„Der Erhalt des FOYA Social Impact Award ist für uns von besonderer Bedeutung, da er das weiterreichende Ziel von Engineering anerkennt: Lösungen zu finden, die Patient:innen, der Gesellschaft und dem Planeten dienen“, sagt Gunter Baumgartner, SVP und Head of Global Engineering bei Takeda. „AHEAD zeigt, dass ein praktikabler Weg zu emissionsärmerer industrieller Prozesswärme möglich ist. Indem wir unsere Erkenntnisse offen teilen, möchten wir dazu beitragen, Fortschritte auch über Takeda hinaus voranzutreiben.“
Neubau bei laufender Arzneimittelproduktion
Im Rahmen von AHEAD wurde für die Wärmepumpe ein eigenes Gebäude errichtet, ohne die laufende pharmazeutische Produktion zu unterbrechen. Die strengen Sicherheits- und Regulierungsanforderungen ergaben sich vor allem aus dem Einsatz brennbarer natürlicher Kältemittel und wurden durch technische Auslegung, Simulation und Governance erfüllt.
Während des gesamten Projekts blieben die Versorgung der Patienten und die Sicherheit der Belegschaft gewährleistet. Nach Angaben von Takeda zeigt das Projekt, wie eine energieintensive pharmazeutische Produktion ihre Umweltauswirkungen senken und zugleich die zuverlässige Versorgung mit Medikamenten sichern kann.
„Verantwortung für die Gesundheit von Menschen zu übernehmen, bedeutet auch, Verantwortung für eine gesunde Umwelt zu übernehmen“, betont Maria Löflund, Standortleiterin von Takeda in Wien. „AHEAD macht dieses Engagement greifbar. Unsere Teams und Partner:innen haben gezeigt, dass wir eine nachhaltigere Produktion vorantreiben und gleichzeitig den Fokus auf Sicherheit und die zuverlässige Versorgung von Patient:innen mit Medikamenten gewährleisten können. Ich bin stolz darauf, dass diese Arbeit gewürdigt wurde und dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse auch anderen zugutekommen können.“
Erkenntnisse ohne Patent für andere Industrien
Takeda hat die Technologie hinter AHEAD bewusst nicht patentiert, um das Wissen transparent weiterzugeben und die Anwendung in anderen Industrien zu beschleunigen. Mit ihren Facility of the Year Awards zeichnet die ISPE Leistungen bei Planung, Errichtung und Betrieb pharmazeutischer Anlagen aus und macht innovative Ansätze als Beispiele für die gesamte Branche zugänglich.

Entwickelt wurde das Projekt gemeinsam mit dem AIT Austrian Institute of Technology und SPH Sustainable Process Heat. Gefördert hat es der österreichische Klima- und Energiefonds im Rahmen der Forschungsinitiative „NEFI – New Energy for Industry“ aus Mitteln des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Vorgestellt wurde AHEAD bereits auf der COP28 und auf der World Expo 2025 in Osaka, zudem erhielt es den Net Zero Industries Award.
Weitere Wärmepumpe gewinnt Ethanol aus der Produktion zurück
Der Wiener Produktionsstandort prüft und setzt laufend weitere Projekte um, die Umweltentlastung mit wirtschaftlichem Nutzen verbinden. Eine neue Anlage zur Rückgewinnung und Wiederverwendung von Ethanol aus Produktionsprozessen arbeitet ebenfalls mit einer hocheffizienten Wärmepumpe. Sie hat das Potenzial, bis zu 800 Lkw-Fahrten und mehr als 5.500 Tonnen CO₂-Äquivalent-Emissionen pro Jahr einzusparen.
Daneben investiert der Standort in Photovoltaikanlagen, in die Nutzung von Abwärme und in weitere Maßnahmen zur Ressourceneffizienz. Übergeordnet hat sich Takeda zum Ziel gesetzt, in den eigenen Betrieben bis zum Geschäftsjahr 2035 und entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Geschäftsjahr 2040 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Diese Ziele sind nach dem Corporate Net-Zero Standard der Science Based Targets Initiative validiert. Nach Angaben des Unternehmens ist AHEAD ein konkreter Schritt auf dem Weg dorthin.


