Die Kampagne „Brewed with Clean Heat“ stellt Brauereien vor, die Dampf und Heißwasser mit Wärmepumpen statt mit Gas erzeugen, und bietet kostenlose Unterlagen für den Umstieg. Ihren Start feierten die Electrification Alliance und die European Heat Pump Association (EHPA) beim Brussels Oktoberfest.

In der EU gibt es mehr als 10.000 Brauereien, und eine wachsende Zahl davon stellt ihre Wärmeversorgung auf Wärmepumpen um. Die Betriebe senken damit Energiekosten und CO2-Emissionen. Zuletzt sind die europäischen LNG-Preise vor dem Hintergrund des Konflikts im Nahen Osten auf den höchsten Stand seit 2023 gestiegen.
Niedrige Prozesstemperaturen sprechen in Brauereien für Wärmepumpen
Der Wärmebedarf für Dampf und Heißwasser liegt in Brauereien, wie in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie insgesamt, bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen unter 200 °C. Das macht die Brauwirtschaft für die Elektrifizierung besonders geeignet. Da in einer Brauerei zugleich Heiz- und Kühlbedarf anfällt, ergeben sich außerdem Möglichkeiten, Energie zurückzugewinnen und zu speichern.
Jozefien Vanbecelaere, Policy Director der European Heat Pump Association, ordnet die Entwicklung branchenübergreifend ein: „Mit Wärmepumpen lässt sich Bier sauber brauen. Branchen von Lebensmitteln und Getränken bis hin zu Zellstoff und Papier stellen ihre Prozesswärmeversorgung um und senken Kosten und Emissionen. In Bayern wie in Brüssel können wir auf die 39 Prozent der Industriewärme anstoßen, die schon heute von Wärmepumpen bereitgestellt werden könnten.“
Gekoppelt mit Solar- und Windstrom kann die Elektrifizierung Unternehmen vor schwer vorhersehbaren Energiepreisen schützen, weil sie die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen mit stark schwankenden Preisen verringert. Adrian Hiel, Director der Electrification Alliance, sagt dazu: „Europas Brauereien ersetzen gasbefeuerte Dampfkessel durch hocheffiziente Industriewärmepumpen und sichern sich eine Energieversorgung, die günstiger und wirklich sicher ist. Mit dem Umstieg auf sauberen Strom senkt die Brauwirtschaft ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern drastisch und beweist, dass modernste industrielle Dekarbonisierung verdammt gut schmeckt.“
EU und COP31 geben Zielwerte für die Elektrifizierung vor
Für die Elektrifizierung der Industrie gibt es inzwischen auch politische Zielwerte. Die Europäische Kommission hat ihren Aktionsplan zur Elektrifizierung (Electrification Action Plan) veröffentlicht, mit dem Europa zum „ersten elektrisch betriebenen Kontinent“ werden soll. Bis 2040 sieht der Plan einen Elektrifizierungsgrad von 46 Prozent vor. Die Ausgaben der EU für fossile Energieimporte sollen dadurch um 260 Milliarden Euro pro Jahr sinken.
Auch auf globaler Ebene gibt es ein neues Ziel: Die COP31-Präsidentschaft hat eine Zusage angekündigt, nach der bis 2035 35 Prozent des Endenergieverbrauchs elektrifiziert sein sollen. Beim Brussels Oktoberfest, einem an das bayerische Vorbild angelehnten Fest in Brüssel, kamen zum Start von „Brewed with Clean Heat“ Brauer, Ingenieure, Klimaschützer und politische Entscheidungsträger zusammen, darunter auch Vertreter der EU-Politik. Die Teilnahme der EHPA wurde durch das EU-geförderte Projekt SPIRIT unterstützt. Die Veranstaltung stand zudem im Zusammenhang mit dem Heat Pump Day, der Menschen in ganz Europa zusammenbringt, um auf Wärmepumpen aufmerksam zu machen.
„Brewed with Clean Heat“ sammelt Praxisbeispiele aus drei Ländern
Auf der Website von „Brewed with Clean Heat“ finden sich Kurzdokumentationen mit Brauern und Ingenieuren aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Sie zeigen bestehende Anlagen und sollen so in der Branche Vertrauen in die Elektrifizierung schaffen. Die britische Craft-Brauerei Hepworth Brewery setzt eine Greensteam-Wärmepumpe von Futraheat ein, die Temperaturen von 120 bis 130 °C erreicht. Der Energieverbrauch ist damit um 86 Prozent gesunken, die Kosten um 65 Prozent und die CO2-Emissionen um 91 Prozent.
Die 2025 gegründete Löwenherz Privatbrauerei in Deutschland arbeitet vollständig elektrisch und ohne Gaskessel. Sie kombiniert eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für 50 bis 55 °C mit einer Wärmepumpe, die Wasser als Wärmequelle nutzt und 120 bis 125 °C liefert. In den Niederlanden binden Ingenieure von GEA, einem Systemanbieter für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Elektrifizierungstechnik in Brauprozesse ein. Zu den Referenzen zählen Heineken und Oettinger.
Neben den Fallbeispielen bietet die Kampagne einen kostenlosen Leitfaden zur Elektrifizierung von Brauereien mit einem Überblick über Technologien und nächste Schritte. Dazu kommt eine Datenbank mit mehr als 300 Wärmepumpenherstellern in Europa, deren Daten von der EHPA stammen und rund 25 europäische Länder sowie die Türkei abdecken. In den kommenden Monaten ergänzt „Brewed with Clean Heat“ weitere Fallstudien, darunter Brauereien außerhalb Europas, die der Energiekrise ebenfalls mit sauberer Wärme und erneuerbarem Strom begegnen. Interessierte können zudem eigene Lösungen einreichen.


